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7. August 2015
Gut Kirschen essen auf Gut Stockseehof oder ein perfekter Sommertag!
Es ist ja ganz oft so: Wenn man nur ein bisschen geduldig ist und wartet, dann passieren Dinge, an die man schon gar nicht mehr geglaubt hat. Und tatsächlich – nun ist der Sommer auch endlich im Norden angekommen! Die Temperaturen klettern über die magische 20°C-Marke, die Sonne lacht vom azurblauen Himmel und wir können unser Ferienfrühstück endlich draußen auf der Terrasse genießen!
Als mich letzte Woche die Einladung zum Kirschenpflücken auf Gut Stockseehof erreichte, war ich zuerst skeptisch. Ist das unhöflich, wenn man sagt, man kommt nur, wenn das Wetter auch schön ist? Hab ich natürlich so nicht gesagt. Aber zumindest kurz gedacht. Überhaupt ist das gar nicht so leicht, sich in den Ferien mal einen Tag ohne Kinder und Hunde einfach abzuseilen. Zum Glück gibt es aber Oma und noch mehr Glück hatte ich mit dem Wetter. Denn am Mittwoch – pünktlich zu Beginn der Kirschernte auf Gut Stockseehof – war perfektes Sommerwetter!
5. Februar 2013
Don Giovanni, von vorne, von oben und von hinten
Unser erster Kulturabend unserer Hamburg-Reise führte uns ja eigentlich ins Musical. Nachdem ich aber der festen Überzeugung bin, dass sich „Rocky“ noch eine ganze Weile an der Reeperbahn festboxen wird, muss ich euch vorgezogen ins Thalia-Theater schicken. Denn Don Giovanni feiert da nur noch bis Juni seine letzte Party und die dürft ihr auf gar keinen Fall verpassen.
Bevor ich euch von diesem gelungenen Abend berichte, muss ich ein paar Dinge voraus schicken.
Erstens: ich mag Mozart, bin aber kein Opernexperte. Zwar hatte ich während meiner Schulzeit ein Theater- und Opernabo, aber das ist lange her. Irgendwie konnte ich immer keine Begleiter aktivieren und ich bin schon froh, wenn ich mal ins Kino komme oder Zeit für ein Buch habe. Die Handlung von Don Giovanni, einem Meisterwerk der Operngeschichte, musste ich mir hinterher erst mal ergoogeln.
Zweitens: Ich habe Angst vor modernem Theater. Ja, lacht nur. Ich bin ein visueller Mensch und ich mag opulente Bilder. Und wenn schon das Bühenbild sehr reduziert ist, müssen mich zumindest die Schauspieler in ihren Bann ziehen. Oder besser noch: die Schauspieler und die Handlung. Und das einzige Stück, dass ich jemals im Thalia-Theater gesehen habe, war reduziert, das Bühenbild trist, die Monologe merkwürdig und das Stück irgendwie verstörend. Leider habe ich sogar vergessen, wie es hieß. Ich weiß nur noch, dass Fritzi Haberland danach nicht mehr meine Freundin war. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.
Sagen wollte ich: ich bin kein ernstzunehmender Kultur-Kritiker. Aber irgendwie sind doch alle Theaterkritiken rein subjektiv, oder?
Nachdem ich das jetzt losgeworden bin, darf ich dafür ungehemmt in Schwärmereien ausbrechen!
Don Giovanni ist die Theaterversion von Mozarts berühmter Oper und wird im Thalia-Theater inszieniert von dem jungen und sehr gefragten Regisseur Antú Romero Nunes. Als ich gehört habe, wie alt er ist (29) habe ich mich plötzlich schrecklich alt gefühlt.
Don Giovannis ist irgendwie ein bisschen schräg und respektlos, aber das war es, was mich begeistert hat. Leporello (ein sagenhafter Mirco Kreibich) war in seinem schäbigen Tante-Erna-Morgenmantel so herrlich derangiert und verweifelt angesichts der ausschweifenden Exzesse seines Herren, dass ich am Liebsten auf die Bühne gestürzt wäre, um ihn in den Arm zu nehmen und mal ordentlich zu drücken. Alles wird gut, mein Kleiner. Man konnte ihm gar nicht übelnehmen, dass er das ganze Publikum am Anfang erst mal einige Minuten lang singen lies. Blahblahblah, flahflahflah – nach der Melodie von Reich mir die Hand, mein Leben – und alle sangen mit. Leporello stahl Don Giovanni, einem barbusigen „luftdegenschwingenden Puderaffen“, der reihenweise die Herzen der Frauen brach, fast die Show.
Überhaupt, die Musik: eine siebenköpfige Frauen-Punk-Band rockt Mozart von schön bis schräg und die Theaterschauspieler geben Arien zum Besten. Und das beste daran: es ist kein Makel, dass sie nicht so ganz tonsicher sind.
Das Bühenbild ist Thalia-like reduziert, trotzdem wirkungsvoll: mit einem überdimensionierten Leuchter und ein wenig Flüssigeis schafft Florian Lösche ein geheimnisvolles Bild. Die überzweichnet-kitschigen Rokokogewänder in grellen Farben sind ein wohltuender Gegepol.
Don Giovanni ist Mitmachtheater und Opernkomik in einem. Die Schauspieler spielen mit Leidenschaft ihre Leiden (Don Ottavio, der gehörnte Liebhaber) und man ist fast ein bisschen traurig, wenn Don Giovanni quasi „mittendrin“ plötzlich mit der todbringenden Diva (Karin Neuhäuser) davon zieht. Wenn's am schönsten ist, soll man gehen.
Don Giovanni ist wunderbare Unterhaltung. Also geht hin!
- - - - - - - - - -
Das Besondere an diesem Abend war allerdings nicht nur ein verführerischer Don Giovanni und Champagner für die Ladies auf der Bühne. Vorher gingen wir in die Weltbühe – nicht nur um lecker bewirtet zu werden, sondern auch um Johanna Bauer und Sandra Küpper, die Kuratorinnen der Lessingtage, zu treffen. Wir erfuhren eine Menge über die Organisation, die Planung und Durchführung eines solchen „Festivals“, hörten Spannendes über Bühnenrequisiten, Schauspieler, Regisseure und Inszenierungen.
Danach schlichen wir uns – 45 Minuten vor Premieren-Beginn – vor, hinter und über die Bühne, belauschten die Schauspieler bei ihren allerletzten Sprechübungen, betrachteten den gigantischen Lichterkranz über der Bühen von oben, lernten interessante Dinge über Bühnentechnik, Beleuchtung und hydraulische Seilzüge und bestaunten den riesigen Malsaal und die Schreinerei. Zu gern hätte ich ja noch den Kostümbildnern über die Schulter geschaut und in ihrem Atelier herum geschnüffelt. Aber vielleicht ergibt sich ja ein andermal eine zweite Chance?
Herr von Otting hält sich übrigens nach eigenem Empfinden für einen glücklichen Theater-Direktor. Er lobte die Vorzüge der Hansestadt als Theaterstandpunkt, da sich in Hamburg die Politik nicht in Inhalte einmischt. Recht so. Unbarmherzig – so von Otting – wird der Senat nur, wenn Theater nicht wirtschaften können und Geld ausgeben, das sie nicht haben. Das hat schon manchem Intendanten seinen Kopf gekostet. Typisch Pfeffersäcke eben, aber anders herum wäre es deutlich schlimmer, oder?
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| © 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. Donna Anna (Maja Schöne) |
Bevor ich euch von diesem gelungenen Abend berichte, muss ich ein paar Dinge voraus schicken.
Erstens: ich mag Mozart, bin aber kein Opernexperte. Zwar hatte ich während meiner Schulzeit ein Theater- und Opernabo, aber das ist lange her. Irgendwie konnte ich immer keine Begleiter aktivieren und ich bin schon froh, wenn ich mal ins Kino komme oder Zeit für ein Buch habe. Die Handlung von Don Giovanni, einem Meisterwerk der Operngeschichte, musste ich mir hinterher erst mal ergoogeln.
Zweitens: Ich habe Angst vor modernem Theater. Ja, lacht nur. Ich bin ein visueller Mensch und ich mag opulente Bilder. Und wenn schon das Bühenbild sehr reduziert ist, müssen mich zumindest die Schauspieler in ihren Bann ziehen. Oder besser noch: die Schauspieler und die Handlung. Und das einzige Stück, dass ich jemals im Thalia-Theater gesehen habe, war reduziert, das Bühenbild trist, die Monologe merkwürdig und das Stück irgendwie verstörend. Leider habe ich sogar vergessen, wie es hieß. Ich weiß nur noch, dass Fritzi Haberland danach nicht mehr meine Freundin war. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.
Sagen wollte ich: ich bin kein ernstzunehmender Kultur-Kritiker. Aber irgendwie sind doch alle Theaterkritiken rein subjektiv, oder?
Nachdem ich das jetzt losgeworden bin, darf ich dafür ungehemmt in Schwärmereien ausbrechen!
Don Giovanni ist die Theaterversion von Mozarts berühmter Oper und wird im Thalia-Theater inszieniert von dem jungen und sehr gefragten Regisseur Antú Romero Nunes. Als ich gehört habe, wie alt er ist (29) habe ich mich plötzlich schrecklich alt gefühlt.
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| © 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. Donna Elvira (Cathérine Seifert) und Leporello (Mirko Kreibich) |
Don Giovannis ist irgendwie ein bisschen schräg und respektlos, aber das war es, was mich begeistert hat. Leporello (ein sagenhafter Mirco Kreibich) war in seinem schäbigen Tante-Erna-Morgenmantel so herrlich derangiert und verweifelt angesichts der ausschweifenden Exzesse seines Herren, dass ich am Liebsten auf die Bühne gestürzt wäre, um ihn in den Arm zu nehmen und mal ordentlich zu drücken. Alles wird gut, mein Kleiner. Man konnte ihm gar nicht übelnehmen, dass er das ganze Publikum am Anfang erst mal einige Minuten lang singen lies. Blahblahblah, flahflahflah – nach der Melodie von Reich mir die Hand, mein Leben – und alle sangen mit. Leporello stahl Don Giovanni, einem barbusigen „luftdegenschwingenden Puderaffen“, der reihenweise die Herzen der Frauen brach, fast die Show.
Überhaupt, die Musik: eine siebenköpfige Frauen-Punk-Band rockt Mozart von schön bis schräg und die Theaterschauspieler geben Arien zum Besten. Und das beste daran: es ist kein Makel, dass sie nicht so ganz tonsicher sind.
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| © 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. Der Tod (Karin Neuhäuser), 7 Rokoko-Punks, Don Giovanni (Sebastian Zimmler) |
Das Bühenbild ist Thalia-like reduziert, trotzdem wirkungsvoll: mit einem überdimensionierten Leuchter und ein wenig Flüssigeis schafft Florian Lösche ein geheimnisvolles Bild. Die überzweichnet-kitschigen Rokokogewänder in grellen Farben sind ein wohltuender Gegepol.
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| © 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. |
Don Giovanni ist Mitmachtheater und Opernkomik in einem. Die Schauspieler spielen mit Leidenschaft ihre Leiden (Don Ottavio, der gehörnte Liebhaber) und man ist fast ein bisschen traurig, wenn Don Giovanni quasi „mittendrin“ plötzlich mit der todbringenden Diva (Karin Neuhäuser) davon zieht. Wenn's am schönsten ist, soll man gehen.
Don Giovanni ist wunderbare Unterhaltung. Also geht hin!
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Das Besondere an diesem Abend war allerdings nicht nur ein verführerischer Don Giovanni und Champagner für die Ladies auf der Bühne. Vorher gingen wir in die Weltbühe – nicht nur um lecker bewirtet zu werden, sondern auch um Johanna Bauer und Sandra Küpper, die Kuratorinnen der Lessingtage, zu treffen. Wir erfuhren eine Menge über die Organisation, die Planung und Durchführung eines solchen „Festivals“, hörten Spannendes über Bühnenrequisiten, Schauspieler, Regisseure und Inszenierungen.
Danach schlichen wir uns – 45 Minuten vor Premieren-Beginn – vor, hinter und über die Bühne, belauschten die Schauspieler bei ihren allerletzten Sprechübungen, betrachteten den gigantischen Lichterkranz über der Bühen von oben, lernten interessante Dinge über Bühnentechnik, Beleuchtung und hydraulische Seilzüge und bestaunten den riesigen Malsaal und die Schreinerei. Zu gern hätte ich ja noch den Kostümbildnern über die Schulter geschaut und in ihrem Atelier herum geschnüffelt. Aber vielleicht ergibt sich ja ein andermal eine zweite Chance?
Herr von Otting hält sich übrigens nach eigenem Empfinden für einen glücklichen Theater-Direktor. Er lobte die Vorzüge der Hansestadt als Theaterstandpunkt, da sich in Hamburg die Politik nicht in Inhalte einmischt. Recht so. Unbarmherzig – so von Otting – wird der Senat nur, wenn Theater nicht wirtschaften können und Geld ausgeben, das sie nicht haben. Das hat schon manchem Intendanten seinen Kopf gekostet. Typisch Pfeffersäcke eben, aber anders herum wäre es deutlich schlimmer, oder?
4. Februar 2013
Oh Boy(s)!
Naja, eigentlich müsste es heißen Oh boy(s) and girl! Denn am Wochenende, als wir zum Finale des Skater-Geburtstags aufbrachen, war natürlich auch wieder die Forever-and-ever-Freundin dabei, die seit 5 Jahren keinen Geburtstag versäumt hat. Und es passt noch immer so perfekt wie eh und je. Obwohl sie mittlerweile sehr viel mehr ein Mädchen geworden ist, fiel es kaum auf, dass sie die einzige war. Im Gegenteil. Sie war so cool und süß zugleich, dass es selbst die großen Jungs irgendwie beeindruckte.
So ein Jungsgeburtstag ist ja schon auch sehr speziell. Da wird nicht lange geschnackt und gekichert und getuschelt und Du mit mir und Ich neben dir, ok? Versprechnungen ausgetauscht, sondern da hat man einfach zielgerichtet Spaß pur. Und wo ging das besser in diesem Jahr, als in der Halfpipe?
Man darf wirklich nicht lange nachdenken, was alles passieren könnte, wenn sich 6-9jährige Draufgänger mit einem Affenzahn auf ihren Boards und Scootern steile Rampen runterstürzen und ich bin im Nachhinein noch heilfroh, dass sich keiner verletzt hat. Aber der Spaß war perfekt.
Die, die nicht ganz so wagemutig waren, hatten trotzdem ihren Spaß. Sie kletterten einfach unermüdlich die Halfpipe hoch und rutschen auf ihren Hinterteilen wieder runter. Immer mit einem lauten Yeaaaaaah! auf den Lippen.
Polly fand das alles ziemlich doof, denn sie musste zusehen. Dabei wollte sie doch so gern auch die steilen Rampen rauf und runter fegen.
Der Place-to-go ist das Tomas-i-Punkt Skateland in Hamburg-Hammerbrook. Man kann die komplette Halle am Wochenende vormittags für zwei Stunden mieten, ehe der normale Betrieb dort beginnt. Essen und Trinken bringt man selbst mit oder man versorgt sich direkt vor Ort am Kiosk. Falls Helme, Schützer oder Boards fehlen, kann man welche leihen.
Wir sind dort ab und zu mal am Wochenende. Am Samstag kommt auch ein Instructor, der den Kids mal ein bisschen was zeigt. Eine 10er-Karte ist von Vorteil, wenn man öfter kommen möchte. Dann kann man sich auch vorher telefonisch anmelden.
Zwei Stunden fanden die Jungs natürlich viel zu kurz, aber wir haben beschlossen, die Halle auf jeden Fall demnächst noch mal zu mieten. Dann trommeln wir alle Skate-verrückten Kids aus dem Freundeskreis zusammen und und verteilen die Miete auf alle. Denn es ist schon viel cooler, die Halle quasi „für sich“ zu haben, als wenn die großen Könner die Rampen runterheizen und die Knirpse immer Gefahr laufen unter die Räder zu kommen.
Danach haben wir Bratwurst und Frikadellen an einem Ort gegessen, wo ich schon soooo lange mal hin wollte. Ebenfalls einen Tipp wert – aber in einem extra Posting. Also dranbeleiben!
Heute hab ich wiedermal das Schwesternhäubchen an, senke Fieber und reiche Medizin. Wann hört das endlich auf? Seit drei Wochen habe ich kranke Kinder zuhause, immer schön abwechselnd seufz. Wie soll ich da bloß arbeiten?
Habt alle eine tolle Woche!
30. Januar 2013
Liebe zum Detail: das Hotel Vier Jahreszeiten
Das Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg an der Binnenalster ist ohne Zweifel eines des schönsten Hotels in Hamburg. Von den Balkons der Alster-zugewandten Zimmer im 5. Obergeschoss hat man ein sagenhaftes Panorama, das von der Alster über den Rathausmarkt bis Richtung Hafen reicht.
Das Hotel, dass 1897 von seinem damaligen Besitzer Friedrich Haerlin aus einer Zwangsversteigerung gekauft wurde, hat eine bewegte Geschichte. Es überstand zwei Kriege, damit verbundene „Zweckentfremdung“, Verwüstung und kam aus jeder Krise gestärkter hervor. Es reiht sich heute in die Riege der führenden Luxushotels der Welt ein.
Dabei ist es immer hanseatisch-bodenständig geblieben. Protz und Prunk sind verpöhnt, Bodenständigkeit, Authentizität und Liebe zum Detail prägen seinen Stil und nirgendwo habe ich den Satz „Der Gast ist König“ so verinnerlicht gesehen, wie hier.
Für Frau Kännchen und mich war es ein ganz besonderes Highlight, hier zu wohnen – wann kommt man schon mal als Hamburger in den Genuss, in der Lieblingsstadt im Hotel zu nächtigen? Und dann auch noch im ersten Hotel am Platze seufz. Wir wären am Liebsten wach geblieben, um uns noch ein bisschen an der nächtlich beleuchteten Alster und Jungfernstieg zu ergötzen, hätten am Liebsten den Tag im bequemen Bett mit den vielen Kissen und seidenglatten Laken verbracht, ein bisschen in die Riesenglotze geguckt und uns zwischendurch mal einen Espresso an der zimmereigenen Kaffeemaschine gekocht.
Das Hotel verfügt über 9(!) Bars und Restaurants – von der kleinen Jahreszeiten Bar, in der die Barhocker stilecht mit Rolls-Royce-Sitzbezügen ausgestattet sind, über die gemütliche Condi Lounge bis hin zum Doc Cheng's im Untergeschoss, dass mit 14 Gault Millau Punkten dekoriert ist und ich mir am Liebsten sofort die grandiosen Lüster hätte einpacken lassen wollen.
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| Sitzklassiker in der Jahreszeiten Bar |
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| Schon früh besetzt und sogar Raucher dürfen: die Jahreszeiten Bar |
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| Oberklassen-Küche unter traumhafter Beleuchtung im Doc Cheng's |
Herr Zimmermann, der Marketing & Sales Manager des Hotels, wurde nicht müde, uns zu versichern, dass er uns gern während unserer drei Tage Aufenthalt durch alle Restaurationen hindurch bewirtet hätte, aber unser Programm sah das (leider) nicht vor. Aber der kleine Snack in der Condi Lounge und das sagenhafte Frühstücksbuffet mit Blick auf die Alster haben wir dafür in vollen Zügen genossen.
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| Kleine und große Snacks in der Condi Lounge |
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| Frühstück mit Alsterblick auf dem „Heuboden“ des Condi Café |
Das Hotel wurde vor wenigen Jahren umfassend renoviert und wir durften sogar einen Blick in die große Küche werfen. Wo in vielen Hotels die Großküchen ein eher klägliches Dasein hinter den Kulissen fristen, wurde selbst hier viel Wert auf hanseatische Schönheit gelegt: die schwarzweiß gekachelten Wände, die schöne Beleuchtung und die großen Wanduhren sind eine Wucht!
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| Schöner bekocht werden: sogar hinter den Kulissen sieht es lecker aus! |
Das Personal ist freundlich-unaufdringlich und liest einem jeden Wunsch von den Augen ab. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass immer jemand in meiner Nähe war. Ging die Aufzugtür mal nicht gleich auf, war sofort jemand zur Stelle. Hatte man Probleme mit dem Zimmerschlüssel (wie herrlich: hier gibt es noch richtige Schlüssel und keine doofen Karten!), stand schon wie aus dem Nichts eine helfende Hand zur Seite.
Ausnahmsweise wurde ich mal nicht mit großen Augen angesehen, als ich nach Kaffee mit Sojamilch fragte und für den Afternoon-Tea, den ich mir in einer unserer seltenen Pausen mit Frau Kännchen im gemütlichen Wohnzimmer mit Holzvertäfelung, plüschigen Sofas, dicken Kissen und knisterndem Kaminfeuer gönnte, durfte ich wählen zwischen laktosefreier Milch oder Sojamilch zum Tee. Dafür fiel die Wahl aus der Teekarte und den vielen Leckereien dazu viel schwerer.
Und überhaupt: von diesem Stündchen Teatime, dass so gediegen und englisch und kitschig und gepampert war, werde ich wohl noch lange zehren. Weiße gestärkte Servietten, Silberbesteck, Fine Bone China mit Hauswappen, klitzekleine Scones, luftig leicht mit Clotted Cream und der erdbeerigsten Marmelade, die es in diesem Universum gibt.
Und bitte, könnte nicht einer dieser freundlichen, rot bemantelten Herren am roten Teppich auch zu uns nach Hause kommen, sich um Auto, Gepäck und Einkaufstüten kümmern, während ich nur mein Handtäschchen ins Haus trage? Hach, was für ein Luxus...
Danke für dieses tolle Erlebnis!
4. Juni 2012
Kleine Retter
Was ist das eigentlich für eine komische Stimmung da draußen, die nun auch langsam in unseren Alltag zu schwappen droht? Es ist kalt, trüb und schlimmstenfalls auch noch nass und dicke Wolken ziehen durchs Gemüt. Ehrlich, ich fühle mich wie im Frühherbst, nahender Winterschlaf inbegriffen. Da hilft auch nicht, die Heizung wieder anzuschalten, Grießbrei mit Apfelmus zu essen und sich mit einem Hörbuch auf's Sofa kuscheln. Naja, zumindest hilft das ein bisschen. Kleine Retter im Alltag.
Das Wochenende hatte leider auch am Freitag schon seinen Höhepunkt erreicht, danach gab es nur noch kleine sonnige Lücken. Dann will ich mich eben an die erinnern.
Das Treffen mit zwei lieben Freundinnen zum Beispiel. Am Freitag. Ein entspannter Bummel durch's alte Revier. Endlich mal Unterhaltung Lieblingsstücke im Lehmweg besucht – vorsicht, akute Kaufrausch-Gefahr! Immer wenn man denkt, nu' ist aber Schluss, kommt noch ein kleiner Raum mit noch mehr herrlichen Schätzen!
Gleich daneben die Eye Candies von Johanna Schultz, die einen schon vor der Tür anlachen. Leider nicht ganz billig, daher nur ein Augenschmaus.
Den weltbesten Blechkuchen im Petit Café, meinem all-time-favourite Café in Eppendorf.
Jede Menge bunte Wohlfühlteilchen aus Frottee für das kleine Fräulein und andere kleine Damen (dazu später mehr).
Ein Hauch von Sonne auf dem Wochenmarkt in Suburbia und leckere Erdbeeren für den Farbklecks zuhause.
Kaffee. Bei anhaltender Frühjahrsmüdigkeit oder bevorstehendem Winterschlaf unerlässlich.
Doch dann die Enttäuschung: das Hörbuch ist unweigerlich zuende. Das ist nun wirklich Mist. Schon lange konnte mich keine Geschichte mehr so fesseln, wie die von Katniss und Peta
Fantasy ist eigentlich so gar nicht mein Genre, Krimis ziehe ich normalerweise vor. Aber das hier war anders. Hier hat einfach alles gestimmt: die spannende Story (ok, den letzten Teil hätte ich mir vielleicht anders gewünscht, aber er war einfach konsequent zuende erzählt worden), die großartige Sprecherin Maria Koschny, der die Rolle der Katniss auf den Leib (oder auf die Stimme) geschrieben zu sein schien, und die paar Takte Musik zwischendrin. Musik bei Hörbüchern finde ich ja immer eher zweifelhaft, aber diese schien mir jedes mal so passend und wohlplaziert, dass ich es einfach erwähnen muss!
Viele von meinen Lesern haben die Trilogie der Hungerspiele schon gelsen, ich weiß. Aber nach dieser Trilogie bin ich wieder ein echter Hörbuch-Fan geworden. Ob im Strandkorb, auf dem Sofa, an der Nähmaschine, am Kochtopf: egal wie spannend es gerade ist – ich musste nicht verzichten und das Buch aus der Hand legen. Ich hab einfach weitergehört.
Das doofe ist nur, jetzt ist es zuende. Und bei einer Trilogie besteht absolut keine Chance auf eine Fortsetzung. Grmpff.
(Das war jetzt übrgens seit langem mal wieder ein Hörbefehl. Ich gelobe Besserung, haben wir hier doch in den letzten Monaten so viele tolle Sachen gehört und gelesen...)
14. April 2012
Lust auf einen Ausflug? Wenn sich Hamburg schon mal von seiner extra-sonnigen Seite zeigt...
Ich hab's ja versprochen, unser Osterausflug.
Am Ostersonntag hat sich die Hanse von ihrer Schokoladeseite gezeigt und wir konnten mit unserem Besuch mal so richtig einen auf Touri machen. Da steh ich persönlich ja total drauf. Geneigte Leser dieses Blogs wissen, dass Alsterdampferfahren zu meinen absoluten Lieblings-Zeitverbringdingern gehört. Als wir noch in Eppendorf wohnten, bin ich oft mit den Kindern von unserer Wohnung aus an die Alster gelaufen, auf den Dampfer gehüpft, bis Jungfernstieg geschippert. Dort haben wir ein Eis geschleckt und sind mit der U-Bahn wieder nach Hause gefahren.
Am Leinpfad entlang kann man schön am Alsterlauf entlang schlendern und Reichs und Schöns in die gepflegten Gärten ihrer herrlichen Villen luschern. Eigener Bootsanlegeplatz inklusive.
An der Streekbrücke oder an der Krugkoppelbrücke schwingt man sich dann für eine Alsterkreuzfahrt auf den Alsterdampfer, lässt sich von einer Haltestelle zur nächsten schunkeln und genießt die wundervolle Aussicht. Die Straßennamen an der Alster sagen es wie es ist: Schöne Aussicht, Bellevue, Fernsicht...
Ins Wasser spucken nicht vergessen. Aber immer schön mit dem Wind, neech?
Nein, auch in Uhlenhorst wollen wir noch nicht aussteigen. Aber immer mehr wollen einsteigen.
Immer der roten Linie nach...
Herrlich entspannend.
Wagemutige Padler nehmen ein erfrischendes Bad unter der Fontäne auf der Binnenalster. Und wir sind gleich da.
Am Jungfernstieg steiegen wir aus und unsere knurrenden Mägen führen uns schnurstracks durch die Alsterarkaden über den Rathausplatz...
... die Frisur sitzt noch (schließlich sind wir ganz in der Nähe vom Neuen Wall)...
... und landen glücklich und hunrig im Café Paris. Wer in der Innenstadt ein Restaurant sucht, in dem kein ungenießbarer Tourinepp verkauft wird, sondern echte Gaumenfreuden, sich nicht an unfreundlichem Servicepersonal stört und zudem noch in stilvollem Ambiente seinen Augen- und Gaumenschmaus vertilgen will, ist hier genau richtig.
Wenn in den unteren Räumen der alten Schlachterei mit ihren wunderschönen Jugenstil-Deckengemälden mal alles besetzt ist und man auch im Salon keinen Platz mehr findet, gibt es noch die Bel Étage, die eher einem Club ähnelt und mit ihren kleinen Tischen, roten Sesseln und weißen Tischdecken glänzt und wo sehr viel mehr Ruhe und Beschaulichkeit herrscht, als in der quirligen Brasserie im Erdgeschoss.
Eine umfangreiche Mittags- und Abendkarte gibt es nur unter der Woche, vorallem um die Mittagszeit muss man Glück haben, einen Platz zu ergattern. Am Wochenende gibt es eine abgespeckte Karte und Empfehlungen des Tages.
Undbedingt probieren muss man das Boeuf Bourguignon vom Bio-Rind, das zergeht einem auf der Zunge. Zum Nachtisch einen warmen Schokokuchen mit Heidelbeereis und der Tag ist gerettet. Die Kinder haben einen Pancake gegessen (typisch französisch, oder!?) und ich schwöre, ich habe mir noch nie in meinem Leben einen so wundervollen dicken und fluffigen Pfannkuchen auf der Zunge zergehen lassen.
Ok, ihr ahnt es schon. Wir mussten quasi aus dem Café Paris rollen und waren kaum mehr in der Lage, uns körperlich anstrengend zu betätigen.
Was für ein Glück, dass für unseren Verdauungsspaziergang direkt der Bus für die Stadtrundfahrt vor unserer Nase hielt. Ein Wink des Schicksals. Sonst hätten Pancake und Schokokuchen niemals die Chance bekommen, sich als Hüftgold für immer an uns zu binden. Wäre ja auch irgendwie schade gewesen.
Also auf dem Sonnendeck noch ein bisschen frische Luft tanken und sich bequem an allen touristischen Hotspots Hamburgs vorbeikutschieren lassen. Der Michel hinter Glas...
... ganz neu auf der Reeperbahn: die Tanzenden Türme. Ich finde übrigens, dass Hadi sich nun genug gläserne Denkmäler in der Stadt gesetzt hat und wir keine weiteren Glas- und Stahlmonster mehr brauchen. Ich weiß, Ole war da anderer Meinung, aber der ist ja nu' auch wech.
Reeperbahn - ich komm an,
Du ge*le Meile, auf die ich kann.
Reeperbahn - alles klar,
Du alte Gangsterbraut, jetzt bin ich wieder da.
(Udo Lindenberg)
Dem Glück geb ich morgen eine Chance. Denn dann geht mein Brigitte-Contest-Beitrag online und ich zähle voll auf eure Stimme.
Und ihr? Habt ihr schon den nächsten Ausflug in die schönste Stadt der Welt geplant? Eins steht fest: sobald das schöne Wetter wiederkommt, findet ihr mich wieder auf dem Dampfer. Aber nicht nach Schangrilla sondern Richtung Jungferstieg. So long, habt ein wunderschönes Wochenende!
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