23. April 2014

Hallo Frühling – auf nach Nordfriesland, Narzissen zählen!


Ist es nicht wunderbar da draußen? Alles Grau und Braun der vergangenen Wintermonate ist in sattes Grün getunkt. Und der Farbe nicht genug, hat einer den großen dicken Pinsel in Bunt getaucht und einmal über dem ganzen Grün ausgeschüttelt. Tulpen, Narzissen und Löwenzahn blühen um die Wette, Schlüsselblumen und Veilchen räkeln sich, um den besten Platz an der Sonne zu ergattern.

Letztes Jahr um diese Zeit hat der Frühling gestöhnt, denn er konnte den Winter kaum besiegen. Schnee bis in den April – erinnert ihr euch? Und besonders gut erinnere ich mich daran, dass wir im April zum ersten Mal nach Nordfriesland zum Narzissenfest auf den Hof Hilligenbohl fahren wollten und der Winter einfach nicht loslassen wollte. Wir haben quasi mitgefiebert, ob die Narzissen unter den schützdenden Planen noch noch ihre Gesichter zeigen würden, wenn die Familie Kirchner die Pforten zu ihrem wundervollen Anwesen öffnen würde.

Und tatsächlich: am Tag des Narzissenfestes strahlen die Blüten mit der Sonne und dem knackeblauen Himmel um die Wette und die Bienen summten um den frischen Apfelkuchen.


Einige von euch kennen vielleicht meine reizende Hamburger Bloggerkollegin Clara alias Claretti, die auf Tastesheriff bloggt. Eigentlich ist sie ein echtes Inselkind, denn sie ist auf Sylt aufgewachsen. Ihre Eltern haben irgendwann in den 70ern ein altes Anwesen auf dem Festland erworben, um dort ihre Tischlerei in einem alten Resthof einzurichten, der zuletzt als Gaststätte diente. Ein fröhlicher Tischlergeselle fackelte das ganze leider ab, als er alle Ofenrohre anheizte und dann in die Mittagspause verschwand.

So lapidar-tragisch das klingt – danach entstieg Phönix aus der Asche! So wie Menschen haben wohl auch Bauwerke ein vorbestimmtes Schicksal und das selbige meinte es mit dem Hof Hilligenbohl meiner Meinung nach besonders gut.


Claras Eltern bauten den Hof wieder auf. Sie steckte alle verfügbare Liebe zum Detail in die alte Bausubstanz, die man als passionierter Bauherr nur aufbringen kann. Der Hof wurde überwiegend mit alten Baumaterialien wieder errichtet – schöner als je zuvor. Wer schon mal von Hamburg aus auf dem Weg nach Niebüll zum Autozug war, der ist sicherlich schonmal an Persch vorbeigefahren, einem Händler für historisches Baumaterial – Fliesen, Klinker, Holzdielen und so weiter.

Fliese für Fliese wurde ersetzt, alt mit neu gemischt, aber alles mit viel Gespür für Stil und Authentizität. Was nicht passte, wurde passend gemacht. So passte man einfach die Raumhöhe des Erdgeschosses an die wunderschöne Empire-Tür an, die unbedingt im Haus ihren Platz finden sollte.

Mittlerweile wohnte die ganze Familie auf dem Festland, der „Neubau” wurde um zwei hübsche Ferienwohnungen ergänzt und nach meinem Besuch auf Hof Hilligebohl sehe ich Claras Lieblings-Hashtag #grossgewordenimmuseum, wenn sie auf „Heimaturlaub” ist, mit ganz anderen Augen.

Clara mit ihrer Mama Ute Kirchner, die den Hof und die Ferienwohnungen bewirtschaftet.


Nachdem immer wieder Menschen den Hof besichtigen wollten, entschloss sich die Familie, das Anwesen einmal im Jahr für alle Menschen zu öffnen. Ein feiner Zug, wie ich finde. Denn jedes Jahr im April blühen dort im weitläufigen Garten über 100 verschiedene Narzissensorten und mehr als 100.000 Blütenköpfe wiegen sich im Wind. Ein Glück, dass die Familie Kirchner mit Claras Schwester Dunja eine kompetente Blumenfachfrau an der Seite hat, denn sie ist Garten- und Landschaftsplanerin und für das bunte Draußen auf dem Hof verantwortlich.


Beim Narzissenfest tummeln sich dann ca. 2.000 neugierige Menschen in der Sonne, essen leckeren selbstgebackenen Kuchen, trinken Kaffee, lauschen der Musik oder decken sich an einem der Kunsthandwerker-Stände mit neuen Schätzchen für die Daheimgebliebenen ein. An einem Stand entdeckte ich sogar genähte Werke mit Hamburger-Liebe-Stoffen


Unser Kleinvolk hatte sich gleich in das Spiel- und Bastelzelt verkrochen und kam erst gefühlte Sunden später mit selbstgebastelten Hüten, Kordeln, Papierblumen und Kunstwerken auf großen Pappen wieder zum Vorschein. Während Mama und Papa mit (damals noch) Klein-Polly auf der Wiese saßen, abwechselnd Ofenkartoffel mit Lachs oder Bienenstich in sich hineinstopften und dem Quaken der Frösche lauschten. Die haben nämlich fast mit der kleinen Kapelle konkurriert, die für eine ausgelassene Stimmung sorgte.

Der Hof bietet so viele herrliche Ecken, Nischen, Terrassen und lauschige Sitzplätze, dass mir die vielen Menschen gar nicht so zahlreich vorkamen.



Das Schönste an dem sonnigen Nachmittag auf dem nordfriesischem Plattland war, dass man dieses Familien-Dings gespürt hat. Überall war die Familie Kirchner am wuseln, am Gäste bedienen, am lachen und am gute Laune verbreiten. Sogar Claras Nichte und Neffe haben sich fleißig ihr Taschengeld aufgebessert und waren bessere Servicekräfte, als man sie in manch schickem Café in Hamburg anzutreffen hofft.

Links der Hof Hilligenbohl von seiner schönen Gartenseite, rechts Clara mit ihrem fleißigen Neffen Lute.
Ein Jammer, dass wir in diesem Jahr nicht nach Nordfriesland reisen können. Wir haben schon was anderes vor.

Wer von euch aber Lust hat, in ein weiß-gelbes Blütenmeer an türkisgrünen Fensterläden und friesisch-roten Klingermauern zu tauchen, der sollte schnell die Pferde satteln! Die Wetterprognosen für das kommende Wochenende sehen gut aus, die Temperaturen werden lauschig, die Narzissen blühen um die Wette. Das habe ich mir heute nochmal aus sicherer Quelle sagen lassen.

Der Hof Hilligenbohl liegt zwischen Niebüll und Dagebüll, die Nordsee ist quasi nur noch einen Steinwurf entfernt. Alle Infos zum Narzissenfest (in diesem Jahr vom 25. bis 27. April) findet ihr hier. Ich werde die Blütenpracht natürlich auf Instagram verfolgen und hoffe, dass ich euch dann im nächsten Jahr dort treffen werde. Dann ist es zwar kein Geheimtipp mehr, daran bin ich jetzt aber selbst schuld. Fröhliches Frühlingsfeiern!

Kommentare:

  1. Unglaublich, was Claras Eltern geleistet haben. Manch anderer hätte den Kopf in den Sand gesteckt. Respekt!!
    Ein Jammer meinerseits ist es, dass Nordfriesland so weit weg ist. Auf dem Hof würde ich gerne mal verweilen.
    Aber wer weiß, hast du nicht was von einer Ferienwohnung geschrieben???
    Ich scrolle gleich nochmal zurück. :-)
    Liebe Grüße von Heike

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    1. Ja genau, Ferienwohnungen :)! Es ist wirklich herrlich da!

      Liebe Grüße,
      Susanne

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    2. Hallo, auf dem Hof habe ich auch mal Urlaub gemacht, in der kleinen Wohnung. Es war sehr schön, liebe Grüße Heide

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  2. Was für schöne Bilder und was für ein herzlicher Bericht!
    Eigentlich wollte ich dieses Jahr auch unbedingt dort hin, aber leider fahre ich am Montag auf Kita-Reise und das wird dann einfach zu stressig ... ich brauche dringend vorher nochmal Ruhe! ;O))))
    Für nächstes Jahr habe ich mir es aber vorgenommen ... ich hoffe es klappt und vielleicht sehen wir uns ja dann! :O)

    Liebe Grüße aus Berlin, Ines!

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  3. Was für ein schöner Bericht.Um so mehr freue ich mich, dass das Narzissenfest schon fest fürs Wochenende eingeplant ist. Ich bin schon sehr gespannt auf den Hof, deine Bilder sind wunderschön!
    Liebe Grüße vom Deich Claudia

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  4. ich könnt mich weg brüllen auf dem ersten bild haste meine nachbarn abgelichtet :D :D
    libe grüße aus NORDFRIESLAND :)

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    1. Ups! Dann grüß mal schön ;)!

      Liebe Grüße,
      Susanne

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  5. Liebe Susanne,
    das ist wirklich eine tolle, mutmachende Geschichte.
    Ich komme von Helgoland und mein Mann ist gebürtiger Ostfriese ... Die Sehnsucht nach "Zuhause" ist grad sehr groß ... Mal sehen, evtl. ist das unsere Wochenendplanung ...
    Danke und lg dorthe

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  6. Was für ein toller Tipp und für tolle Bilder!
    Danke fürs Teilen!

    GLG Ines♥

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  7. Sehr sehr schöner Bericht liebe Susanne!
    Ich war letzte Woche da und das war zauberhaft, die Blumen, das Haus und natürlich die liebe Claretti!
    Viele liebe Grüße
    Elodie

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Susanne