12. Februar 2013

12 von 12 im Februar

Das Motto dieses Faschingsdienstags: Möge dieser Tag vorüber gehen.

Welche Seuche sich auch immer hier breit gemacht hat – jetzt sind wir schon zu dritt. Obwohl ich finde, das kranke Mamas mit kranken Kindern per Gesetz verboten gehören. Aber dafür interessieren sich die Viren und Bakterien nicht. Sie sind auf maximale und effektive Verbreitung aus und dagegen half auch nicht, dass ich mich die letzten Tage quasi prophylaktisch von Ingwer-Zitronen-Tee und anderer Hausmittelchen ernährt habe.

So what. Wir sind nicht allein. Ein paar herzliche und wohlgemeinte Genesungswünsche an all die Rotznasen da draußen! Mir schmeckt heute nicht mal mein Kaffee.

Das kleine Fräulein, dass schon seit fast eineinhalb Wochen in den Hungerstrteik getreten ist, kriecht um 10 Uhr endlich mal aus der Koje. Sie scheint sich gesund zu schlafen. Keine schlechte Strategie, wie ich finde. Würde ich auch tun, wenn ich könnte.

Frühstückstechnisch muss ich schon tief in die Trickkiste greifen um sie an den Teller zu locken.


Schwester Polly strengt sich ordentlich an, um kein Trübsalblasen aufkommen zu lassen. Wahrscheinlich ist sie sogar froh darüber, dass wir zur Zeit alle zuhause auf dem Sofa rumhängen. Dann ist wenigstens immer jemand parat zum Spielen oder zum Bauchkraulen.


Den Vormittag bringen wir schon mal gut rum – mit 213 Minuten Gustav Gorky. Schon lange Dauerbrenner in den Kinderzimmern, wollte ich heute auch mal mitreden können. Jetzt weiß ich, dass ich dringend eine Prise Sternenstaub bräuchte, das würde alle meine Probleme auf Anhieb lösen und heitere Gelassenheit aufkommen lassen. Gustav Gorkyhören macht Spaß. Heute bin ich zu platt, um ausführlicher darüber zu schreiben, aber vielleicht komme ich die nächsten Tage mal dazu, wieder mal ein paar Hörbuch-Tipps zu teilen.


Vor dem Termin bei unserer Heilpraktikerin noch schnell den Krankenmief abspühlen.



Oh nee, was ist denn das schon wieder? Dieses Winter-on-off-Geplänkel geht mir allmählich auf die Nerven. Entweder es schneit mal richtig und ist auch ordentlich kalt oder der Schnee soll sich jetzt endgültig verpieseln. Ich habe keine Lust mehr auf Gehwegfegen, wenn abends sowieso wieder alles weggetaut ist. Mööp.


Wir haben gleich eine Dreiersitzung – fast zwei Stunden, ich bin fix und alle.


Die Kids schicke ich kurz vor Schluss schon mal zu Papa ins Büro, ist quasi nebenan. Dunkelgrau und trüb da draußen, wie dieser ganze Tag.


Das Kleinvolk verschönert noch ein bisschen das Flipboard...


Der Bürohund möchte auch gern nachhause. Keine Sofas hier, pöh! Und der kurzzeitig anwesende Pudel hat sich auch nicht sonderlich für Prinzessin Stracciatella interessiert. Und das obwohl sie gerade läufig ist. Banause!


Zuhause zieht mich das Sofa magisch an. Für ein bisschen Ruhe tue ich alles. Flimmerkiste an!

Auch das Fellhäschen ist froh, dass nun wieder alle auf dem Sofa abhängen. Ist halt doch ein Landei. Stundenlang durch den Wald fegen liegt ihr einfach mehr, als im kultivierten Eppendorf durch den Park flanieren. Seufz.
Meine Pause ist nur kurz, denn das Kleinvolk muss zumindest einmal am Tag eine richtige Mahlzeit essen. Also ab an den Herd, Mama. Hunger fragt schließlich nicht nach Wohlbefinden.

Danke für's Gucken! Mehr 12 von 12 gibt es wie immer bei Frau Kännchen!

11. Februar 2013

Call me crazy but call me! {Sponsored Posting}

Ha, ihr tut es also doch! Die Neugierde hat gesiegt, was? Nein, das schrägste Werbeposting des Jahres – ach was, des Jahrzehnts! würde ich mir auch nicht entgehen lassen.

Man nehme also ein neues, multifunktionales, superkalifragelistiges Space-Bügeleisen, schicke es an eine verzweifelte Hausfrau in Hamburg-Suburbia und an eine verzweifelte Hausfrau in Potsdam bei Berlin, die zunächst ablehnen, dann aber eine gleichgesinnte Fotografin treffen, die Feuer fängt und dann brennen die drei auch schon lichterloh. Kein Weg zurück.

Und dann geselle man sich in der Vorweihnachtszeit (ich nehme an, ihr hattet da auch nichts besseres zu tun) in einen Requisitenverleih, lasse sich von weiteren Bekloppten quer durch die Republik alte Telefonapparate schicken, nähe während Nacht und Nebel neue Büschelbrettbezüge, gehe ins Fotostudio, gackere bis der Bach weh tut (Arzt kam zum Glück keiner, denn der hätte bestimmt die Jacken ohne Ärmelloch mitgebracht) und sitze danach stunden- und tagelang am Rechner und gackere da weiter, bis die Taschentücher alle sind.

Aber was schreibe ich noch Romane? Lacht doch einfach selber!
















Fotografie: Kathrin Stahl (danke, dass du keine Angst hattest, diese Verrückten mit den vielen Taschen in dein Studio zu lassen! (Kathrin macht nicht nur grandiose Fotos sondern sie gibt auch Foto-Kurse in Hamburg!))
Bügeleisen: Panasonic (Endlich kein kleckerndes Bügeleisen mehr!)
Tapetenhintergründe: in Suburbia Rasch Textil ; in P. bei B. P&S über das Deutsche Tapeteninstitut
Klamotten und Klunkern: Fundus Jacke wie Hose und privat
Schwarzes Telefon: freundliche Leihgabe von Paulapü
Grünes Telefon: freundliche Leihgabe von Kati Stöffchen
Idee: Andrea Müller und Susanne Firmenich
Bloggersyndrom: unheilbar

9. Februar 2013

Vitamine, hübsch verpackt

Viele Grüße aus dem Lazarett. Nein, es ist immer noch nicht vorbei – im Gegenteil. Gefühlt sitze ich nun schon seit Wochen mit kranken Kindern zuhause. In echt ist das wahrscheinlich auch so. Das kleine Fräulein hat es besonders schlimm erwischt. Sie hat eine dieser fiesen Virusgrippen, die gerade die Runde machen und sie sieht aus wie ein Häuflein Elend. So wie sie sich auch fühlt. Armes Häschen. Und der große Bruder liegt nun seit heute auch mit Fieber, Kopfschmerzen und brennenden Lippen auf dem Sofa. Ich lass mein Schwesternhäubchen einfach auf seufz.

Essen ist gerade nicht so wirklich angesagt. Deshalb muss ich schon List und Tücke anwenden, um meinem Kleinvolk ein bisschen was Gesundes unterschummeln. Das leidert ja im Allgemeinen an akuter Grünzeugallergie und meidet Vitamine wie Vampire Knoblauch,

Da lief mir Tante Ilses (meine Patin!) Zitronenkuchen über den Weg, der mit dem Saft von drei Zitronen getränkt schon fast unter „vitaminreich“ fällt. Ok, auch jede Menge Zucker dabei, aber hey? Kranksein allein ist schon Strafe genug. Und so verwöhne ich mein Kleinvolk gern ein bisschen mit Leckereien, zuviel Fernsehen und Betüddel.


Deswegen gibt es bei uns heute Zitronenkuchen nach Tante Ilses sagenhaftem Rezept. Keine Ahnung, warum ich den seit Jahren schon nicht mehr gebacken habe. Irgendwie kamen da zu viele hippe Backbücher mit der drölfzigsten Muffin- oder Cupcake-Variante dazwischen. Aber manchmal besinnt man sich eben auch auf die guten, einfach Sachen, die man früher mal geliebt hat. Und stellt fest, dass alte Liebe nicht rostet.

Naja, so ganz oldschool ist er aber dann doch nicht geworden, denn ich habe meine brandneue Mini-Gugelhupfform ausprobiert. Sind die nicht süß? Als ich mit Frau Kännchen neulich im Hotel Vier Jahreszeiten weilte, entdeckten wir gleich um die Ecke einen Laden, der alles, aber auch wirklich alles für Backfans bereithielt. Backformen in jeder erdenklichen Form, Dekozubehör, Werkzeuge, Pastenfarben und den ganzen Schnickschnackaus UK und den USA, mit dem wir Hobbykonditore uns unsere Koffer auf Reisen vollpacken oder unsere geduldigen Freunde mit langen Einkaufslisten versorgen müssen. Gibt's alles bei KD-Torten. Die haben natürlich auch einen Online-Shop und verschicken fast überall hin. (Nein, das ist kein gesponsortes Posting!)

So, nun aber zum Vitamin-Geheimrezept meiner lieben Patin, die leider weder Instagram benutzt, noch Blogs liest. Trotzdem liebe Grüße an dieser Stelle!


Zutaten:
250g Butter oder Margarine
250g Zucker
5 Eier
250g Mehl
1 Prise Salz
2 Teelöffel Backpulver
125ml Zitronensaft
100g Puderzucker

Die Butter oder Margarine schaumig schlagen. Den Zucker, 1 Prise Salz und 5 Eier im Wechsel dazu geben und solange rühren, bis der Zucker gelöst ist. Ich hatte nur noch 4 Eier und habe stattdessen ein bisschen Milch dazugegeben. Das Mehl mit 2 Teelöffeln Backpulver mischen oder sieben und unterrühren. Den Teig in eine ausgefettete Springform füllen. Es gehen eine Kastenform, Gugelhupf, Muffinförmchen oder welche Form auch immer. Bei mir hat der Teig 12 Mini-Gugelhüpfer und vier Muffins ergeben. Nun wird der Teig im vorgeheizten Backofen gebacken bis bei der Zahnstocherprobe kein Teig meh kleben bleibt.

Leider habe ich über Backzeit und -Temperatur keine genauen Angaben im Rezept gefunden. Aber meine kleinen Kuchen sind bei 180°C im Backofen auf der mittleren Schiene nach 15 Minuten perfekt gewesen. Wenn die kleinen Kuchen abgekühlt sind, stecht ihr mit einem Schaschlikstab oder Zahnstocher viele kleine Löcher oben hinein. Dann verrührt ihr 125ml Zitronensaft (der Saft von ca. 3 Zitronen) mit 100g Puderzucker und träufelt den langsam auf die Kuchen. Gern den ganzen Saft verwenden auch wenn euch das viel vorkommt. Am leckersten schmeckt der Kuchen am nächsten Tag, denn dann ist er so richtig schön durch und durch saftig. Mjamm.

Viel Spaß beim Nachbacken und... bleibt gesund!

8. Februar 2013

Have fun, sistas!

Hatte ich schon mal erwähnt, dass Bloggen großartig ist? Nein? Man erweitert dadurch nicht nur ungemein seinen Tellerand aka heimischen Horizont – nein, man lernt auch jede Menge Gleichgesinnte kennen. Menschen, die genauso herrlich bekloppt sind, wie man selbst. Die sich nicht scheuen, in der stressigsten Zeit des Jahres nach Hamburg zu fahren, um sich gemeinsam in schrägen Klamotten vor der Kamera total zum Affen zu machen.

Bestimmt habt ihr schon davon gehört, dass Blogger bisweilen Dinge geschickt bekommen, die sie nicht bestellt haben. Man kann sich darüber ärgern oder deswegen aus dem Häuschen sein. Man kann diese Dinge irgnorieren, zurückschicken oder einfach eine Menge Spaß damit haben. Wenn ihr Blogger bislang für Werbeschlampen gehalten habt, dann habt ihr uns noch nicht gesehen, haha! Neugierig? Dann solltet ihr am Montag unbedingt reinschauen. Achtung – Werbeposting!

Legt euch schon mal die Taschentücher bereit. Denn entweder ihr werdet damit die Lachtränen wegwischen müssen, oder ihr weint vor soviel Beklopptheit und dass ihr deswegen diesen Blog leider aus eurem Reader löschen müsst.


Während ich hier weiterhin Taschentücher (wegen unbremsbaren Rotznasen) und Medizin verteile, wünsche ich euch ein total verrücktes Wochenende!

5. Februar 2013

Are you happy?

Heute wäre mein Papa 80 Jahre alt geworden. Ich vermisse ihn sehr.

Ich kann mich noch gut an seinen Geburtstag im letzten Jahr erinnern, den er schon im Hospiz feierte. Als ich die viereinhalb Stunden im Zug Richtung Hamburg fuhr, musste ich mich mit dem schmerzlichen Gedanken vertraut machen, dass es wohl das letzte Mal hätte sein können, dass ich ihn und er mich in die Arme nahm.

Ich hatte ein Bild im Kopf. Ich wollte etwas Fröhliches, Buntes machen. Etwas, das gegen die Traurigkeit kämpft. Und etwas, was ihn stolz gemacht hätte. Obwohl ich wusste, dass er es nicht mehr sehen würde.

Ich zeichnete eine große Blume und dachte an den Film „Die Wüste lebt“. Dachte daran, wie nach der großen Dürre und den Tragödien der Natur die Wüste zu neuem Leben erwacht. Aus Tod wird Leben. Der Kreislauf des Lebens. Das erste Muster nannte ich „Back to Life“. Später wurde daraus „After Rain“. Nachdem die Tränen getrocknet sein würden.


Es gelingt mir nicht immer, aus einer Krise neue Energie zu schöpfen. Manchmal sind die Dinge einfach zu verzwickt. Zu schmerzlich, um ihnen eine sonnige Seite, eine Chance für einen Neuanfang abzugewinnen. Aber macnhmal bekomme ich das hin. Vielleicht diesmal auch, weil ich weiß, dass mir mein Papa jetzt vielleicht von woanders über die Schulter schaut. Diese Welt ist nicht alles.

Meine neue Kollektion, auf die viele schon so sehnsüchtig warten, heißt Happy. Ganz einfach. Happy.

Es gibt so vieles, was uns Tag für Tag quält und plagt und uns in die Mühle des Alltags zieht und uns alle Kraft und Energie raubt. Und wenn es nur das Gejammer über das Wetter ist. Oder der Nachbar, der wieder auf dem falschen Parkplatz steht.

Aber eigentlich geht es uns so gut. Wir haben unsere Familien, unsere Freunde, unser täglich Brot. Und das nicht zu kanpp. Und wir haben ein wunderbares Hobby – das Nähen. Wir erschaffen Neues, bleibende Dinge, mit Geschichte und Erinnerung. Einzigartig. Und das macht uns doch eigentlich ganz schön glücklich, oder? Das Leben ist nicht schwarzweiß. Es hat ganz viele Facetten. Und nach jeder dunklen Farbe kommt auch wieder eine leuchtende, helle.

Auf Happy müsst ihr noch ein bisschen warten. Die Stoffe sind seit Januar im Vorverkauf – das heißt, Händler können die Stoffe bei Hilco ordern. Ausgeliefert werden sie vorraussichtlich Ende März bzw. Anfang April. Bis dahin ist noch viel Zeit, euch fröhlich zu machen. Zum Beispiel mit After Rain, Big Drops oder Mini Bizzi. Klingt ein bisschen wie Hulahoop, findet ihr nicht? Ich jedenfalls freue mich sehr darauf. Und mein Papa hätte sich bestimmt mitgefreut.

Don Giovanni, von vorne, von oben und von hinten

Unser erster Kulturabend unserer Hamburg-Reise führte uns ja eigentlich ins Musical. Nachdem ich aber der festen Überzeugung bin, dass sich „Rocky“ noch eine ganze Weile an der Reeperbahn festboxen wird, muss ich euch vorgezogen ins Thalia-Theater schicken. Denn Don Giovanni feiert da nur noch bis Juni seine letzte Party und die dürft ihr auf gar keinen Fall verpassen.

© 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. Donna Anna (Maja Schöne)

Bevor ich euch von diesem gelungenen Abend berichte, muss ich ein paar Dinge voraus schicken.

Erstens: ich mag Mozart, bin aber kein Opernexperte. Zwar hatte ich während meiner Schulzeit ein Theater- und Opernabo, aber das ist lange her. Irgendwie konnte ich immer keine Begleiter aktivieren und ich bin schon froh, wenn ich mal ins Kino komme oder Zeit für ein Buch habe. Die Handlung von Don Giovanni, einem Meisterwerk der Operngeschichte, musste ich mir hinterher erst mal ergoogeln.

Zweitens: Ich habe Angst vor modernem Theater. Ja, lacht nur. Ich bin ein visueller Mensch und ich mag opulente Bilder. Und wenn schon das Bühenbild sehr reduziert ist, müssen mich zumindest die Schauspieler in ihren Bann ziehen. Oder besser noch: die Schauspieler und die Handlung. Und das einzige Stück, dass ich jemals im Thalia-Theater gesehen habe, war reduziert, das Bühenbild trist, die Monologe merkwürdig und das Stück irgendwie verstörend. Leider habe ich sogar vergessen, wie es hieß. Ich weiß nur noch, dass Fritzi Haberland danach nicht mehr meine Freundin war. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.

Sagen wollte ich: ich bin kein ernstzunehmender Kultur-Kritiker. Aber irgendwie sind doch alle Theaterkritiken rein subjektiv, oder?

Nachdem ich das jetzt losgeworden bin, darf ich dafür ungehemmt in Schwärmereien ausbrechen!

Don Giovanni ist die Theaterversion von Mozarts berühmter Oper und wird im Thalia-Theater inszieniert von dem jungen und sehr gefragten Regisseur Antú Romero Nunes. Als ich gehört habe, wie alt er ist (29) habe ich mich plötzlich schrecklich alt gefühlt.

© 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. Donna Elvira (Cathérine Seifert) und Leporello (Mirko Kreibich)

Don Giovannis ist irgendwie ein bisschen schräg und respektlos, aber das war es, was mich begeistert hat. Leporello (ein sagenhafter Mirco Kreibich) war in seinem schäbigen Tante-Erna-Morgenmantel so herrlich derangiert und verweifelt angesichts der ausschweifenden Exzesse seines Herren, dass ich am Liebsten auf die Bühne gestürzt wäre, um ihn in den Arm zu nehmen und mal ordentlich zu drücken. Alles wird gut, mein Kleiner. Man konnte ihm gar nicht übelnehmen, dass er das ganze Publikum am Anfang erst mal einige Minuten lang singen lies. Blahblahblah, flahflahflah – nach der Melodie von Reich mir die Hand, mein Leben – und alle sangen mit. Leporello stahl Don Giovanni, einem barbusigen „luftdegenschwingenden Puderaffen“, der reihenweise die Herzen der Frauen brach, fast die Show.

Überhaupt, die Musik: eine siebenköpfige Frauen-Punk-Band rockt Mozart von schön bis schräg und die Theaterschauspieler geben Arien zum Besten. Und das beste daran: es ist kein Makel, dass sie nicht so ganz tonsicher sind.

© 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. Der Tod (Karin Neuhäuser), 7 Rokoko-Punks, Don Giovanni (Sebastian Zimmler)

Das Bühenbild ist Thalia-like reduziert, trotzdem wirkungsvoll: mit einem überdimensionierten Leuchter und ein wenig Flüssigeis schafft Florian Lösche ein geheimnisvolles Bild. Die überzweichnet-kitschigen Rokokogewänder in grellen Farben sind ein wohltuender Gegepol.

© 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party.

Don Giovanni ist Mitmachtheater und Opernkomik in einem. Die Schauspieler spielen mit Leidenschaft ihre Leiden (Don Ottavio, der gehörnte Liebhaber) und man ist fast ein bisschen traurig, wenn Don Giovanni quasi „mittendrin“ plötzlich mit der todbringenden Diva (Karin Neuhäuser) davon zieht. Wenn's am schönsten ist, soll man gehen.

Don Giovanni ist wunderbare Unterhaltung. Also geht hin!

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Das Besondere an diesem Abend war allerdings nicht nur ein verführerischer Don Giovanni und Champagner für die Ladies auf der Bühne. Vorher gingen wir in die Weltbühe – nicht nur um lecker bewirtet zu werden, sondern auch um Johanna Bauer und Sandra Küpper, die Kuratorinnen der Lessingtage, zu treffen. Wir erfuhren eine Menge über die Organisation, die Planung und Durchführung eines solchen „Festivals“, hörten Spannendes über Bühnenrequisiten, Schauspieler, Regisseure und Inszenierungen.


Danach schlichen wir uns – 45 Minuten vor Premieren-Beginn – vor, hinter und über die Bühne, belauschten die Schauspieler bei ihren allerletzten Sprechübungen, betrachteten den gigantischen Lichterkranz über der Bühen von oben, lernten interessante Dinge über Bühnentechnik, Beleuchtung und hydraulische Seilzüge und bestaunten den riesigen Malsaal und die Schreinerei. Zu gern hätte ich ja noch den Kostümbildnern über die Schulter geschaut und in ihrem Atelier herum geschnüffelt. Aber vielleicht ergibt sich ja ein andermal eine zweite Chance?




Herr von Otting hält sich übrigens nach eigenem Empfinden für einen glücklichen Theater-Direktor. Er lobte die Vorzüge der Hansestadt als Theaterstandpunkt, da sich in Hamburg die Politik nicht in Inhalte einmischt. Recht so. Unbarmherzig – so von Otting – wird der Senat nur, wenn Theater nicht wirtschaften können und Geld ausgeben, das sie nicht haben. Das hat schon manchem Intendanten seinen Kopf gekostet. Typisch Pfeffersäcke eben, aber anders herum wäre es deutlich schlimmer, oder?

4. Februar 2013

Oh Boy(s)!


Naja, eigentlich müsste es heißen Oh boy(s) and girl! Denn am Wochenende, als wir zum Finale des Skater-Geburtstags aufbrachen, war natürlich auch wieder die Forever-and-ever-Freundin dabei, die seit 5 Jahren keinen Geburtstag versäumt hat. Und es passt noch immer so perfekt wie eh und je. Obwohl sie mittlerweile sehr viel mehr ein Mädchen geworden ist, fiel es kaum auf, dass sie die einzige war. Im Gegenteil. Sie war so cool und süß zugleich, dass es selbst die großen Jungs irgendwie beeindruckte.


So ein Jungsgeburtstag ist ja schon auch sehr speziell. Da wird nicht lange geschnackt und gekichert und getuschelt und Du mit mir und Ich neben dir, ok? Versprechnungen ausgetauscht, sondern da hat man einfach zielgerichtet Spaß pur. Und wo ging das besser in diesem Jahr, als in der Halfpipe?



Man darf wirklich nicht lange nachdenken, was alles passieren könnte, wenn sich 6-9jährige Draufgänger mit einem Affenzahn auf ihren Boards und Scootern steile Rampen runterstürzen und ich bin im Nachhinein noch heilfroh, dass sich keiner verletzt hat. Aber der Spaß war perfekt.





Die, die nicht ganz so wagemutig waren, hatten trotzdem ihren Spaß. Sie kletterten einfach unermüdlich die Halfpipe hoch und rutschen auf ihren Hinterteilen wieder runter. Immer mit einem lauten Yeaaaaaah! auf den Lippen.

Polly fand das alles ziemlich doof, denn sie musste zusehen. Dabei wollte sie doch so gern auch die steilen Rampen rauf und runter fegen.



Der Place-to-go ist das Tomas-i-Punkt Skateland in Hamburg-Hammerbrook. Man kann die komplette Halle am Wochenende vormittags für zwei Stunden mieten, ehe der normale Betrieb dort beginnt. Essen und Trinken bringt man selbst mit oder man versorgt sich direkt vor Ort am Kiosk. Falls Helme, Schützer oder Boards fehlen, kann man welche leihen.

Wir sind dort ab und zu mal am Wochenende. Am Samstag kommt auch ein Instructor, der den Kids mal ein bisschen was zeigt. Eine 10er-Karte ist von Vorteil, wenn man öfter kommen möchte. Dann kann man sich auch vorher telefonisch anmelden.


Zwei Stunden fanden die Jungs natürlich viel zu kurz, aber wir haben beschlossen, die Halle auf jeden Fall demnächst noch mal zu mieten. Dann trommeln wir alle Skate-verrückten Kids aus dem Freundeskreis zusammen und und verteilen die Miete auf alle. Denn es ist schon viel cooler, die Halle quasi „für sich“ zu haben, als wenn die großen Könner die Rampen runterheizen und die Knirpse immer Gefahr laufen unter die Räder zu kommen.


Danach haben wir Bratwurst und Frikadellen an einem Ort gegessen, wo ich schon soooo lange mal hin wollte. Ebenfalls einen Tipp wert – aber in einem extra Posting. Also dranbeleiben!

Heute hab ich wiedermal das Schwesternhäubchen an, senke Fieber und reiche Medizin. Wann hört das endlich auf? Seit drei Wochen habe ich kranke Kinder zuhause, immer schön abwechselnd seufz. Wie soll ich da bloß arbeiten?

Habt alle eine tolle Woche!
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