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| © 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. Donna Anna (Maja Schöne) |
Bevor ich euch von diesem gelungenen Abend berichte, muss ich ein paar Dinge voraus schicken.
Erstens: ich mag Mozart, bin aber kein Opernexperte. Zwar hatte ich während meiner Schulzeit ein Theater- und Opernabo, aber das ist lange her. Irgendwie konnte ich immer keine Begleiter aktivieren und ich bin schon froh, wenn ich mal ins Kino komme oder Zeit für ein Buch habe. Die Handlung von Don Giovanni, einem Meisterwerk der Operngeschichte, musste ich mir hinterher erst mal ergoogeln.
Zweitens: Ich habe Angst vor modernem Theater. Ja, lacht nur. Ich bin ein visueller Mensch und ich mag opulente Bilder. Und wenn schon das Bühenbild sehr reduziert ist, müssen mich zumindest die Schauspieler in ihren Bann ziehen. Oder besser noch: die Schauspieler und die Handlung. Und das einzige Stück, dass ich jemals im Thalia-Theater gesehen habe, war reduziert, das Bühenbild trist, die Monologe merkwürdig und das Stück irgendwie verstörend. Leider habe ich sogar vergessen, wie es hieß. Ich weiß nur noch, dass Fritzi Haberland danach nicht mehr meine Freundin war. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.
Sagen wollte ich: ich bin kein ernstzunehmender Kultur-Kritiker. Aber irgendwie sind doch alle Theaterkritiken rein subjektiv, oder?
Nachdem ich das jetzt losgeworden bin, darf ich dafür ungehemmt in Schwärmereien ausbrechen!
Don Giovanni ist die Theaterversion von Mozarts berühmter Oper und wird im Thalia-Theater inszieniert von dem jungen und sehr gefragten Regisseur Antú Romero Nunes. Als ich gehört habe, wie alt er ist (29) habe ich mich plötzlich schrecklich alt gefühlt.
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| © 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. Donna Elvira (Cathérine Seifert) und Leporello (Mirko Kreibich) |
Don Giovannis ist irgendwie ein bisschen schräg und respektlos, aber das war es, was mich begeistert hat. Leporello (ein sagenhafter Mirco Kreibich) war in seinem schäbigen Tante-Erna-Morgenmantel so herrlich derangiert und verweifelt angesichts der ausschweifenden Exzesse seines Herren, dass ich am Liebsten auf die Bühne gestürzt wäre, um ihn in den Arm zu nehmen und mal ordentlich zu drücken. Alles wird gut, mein Kleiner. Man konnte ihm gar nicht übelnehmen, dass er das ganze Publikum am Anfang erst mal einige Minuten lang singen lies. Blahblahblah, flahflahflah – nach der Melodie von Reich mir die Hand, mein Leben – und alle sangen mit. Leporello stahl Don Giovanni, einem barbusigen „luftdegenschwingenden Puderaffen“, der reihenweise die Herzen der Frauen brach, fast die Show.
Überhaupt, die Musik: eine siebenköpfige Frauen-Punk-Band rockt Mozart von schön bis schräg und die Theaterschauspieler geben Arien zum Besten. Und das beste daran: es ist kein Makel, dass sie nicht so ganz tonsicher sind.
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| © 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. Der Tod (Karin Neuhäuser), 7 Rokoko-Punks, Don Giovanni (Sebastian Zimmler) |
Das Bühenbild ist Thalia-like reduziert, trotzdem wirkungsvoll: mit einem überdimensionierten Leuchter und ein wenig Flüssigeis schafft Florian Lösche ein geheimnisvolles Bild. Die überzweichnet-kitschigen Rokokogewänder in grellen Farben sind ein wohltuender Gegepol.
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| © 2013 Armin Smailovic, Don Giovanni. Die letzte Party. |
Don Giovanni ist Mitmachtheater und Opernkomik in einem. Die Schauspieler spielen mit Leidenschaft ihre Leiden (Don Ottavio, der gehörnte Liebhaber) und man ist fast ein bisschen traurig, wenn Don Giovanni quasi „mittendrin“ plötzlich mit der todbringenden Diva (Karin Neuhäuser) davon zieht. Wenn's am schönsten ist, soll man gehen.
Don Giovanni ist wunderbare Unterhaltung. Also geht hin!
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Das Besondere an diesem Abend war allerdings nicht nur ein verführerischer Don Giovanni und Champagner für die Ladies auf der Bühne. Vorher gingen wir in die Weltbühe – nicht nur um lecker bewirtet zu werden, sondern auch um Johanna Bauer und Sandra Küpper, die Kuratorinnen der Lessingtage, zu treffen. Wir erfuhren eine Menge über die Organisation, die Planung und Durchführung eines solchen „Festivals“, hörten Spannendes über Bühnenrequisiten, Schauspieler, Regisseure und Inszenierungen.
Danach schlichen wir uns – 45 Minuten vor Premieren-Beginn – vor, hinter und über die Bühne, belauschten die Schauspieler bei ihren allerletzten Sprechübungen, betrachteten den gigantischen Lichterkranz über der Bühen von oben, lernten interessante Dinge über Bühnentechnik, Beleuchtung und hydraulische Seilzüge und bestaunten den riesigen Malsaal und die Schreinerei. Zu gern hätte ich ja noch den Kostümbildnern über die Schulter geschaut und in ihrem Atelier herum geschnüffelt. Aber vielleicht ergibt sich ja ein andermal eine zweite Chance?
Herr von Otting hält sich übrigens nach eigenem Empfinden für einen glücklichen Theater-Direktor. Er lobte die Vorzüge der Hansestadt als Theaterstandpunkt, da sich in Hamburg die Politik nicht in Inhalte einmischt. Recht so. Unbarmherzig – so von Otting – wird der Senat nur, wenn Theater nicht wirtschaften können und Geld ausgeben, das sie nicht haben. Das hat schon manchem Intendanten seinen Kopf gekostet. Typisch Pfeffersäcke eben, aber anders herum wäre es deutlich schlimmer, oder?





















































