Die Zeit rast.
In vier Wochen übersiedeln wir nach Suburbia, trautes Eigenheim, Garten, Regentonne. Die Nähmaschine verstaubt, der Computer wird nur für die Arbeit angeworfen, die Geld verdienen lässt. Unglaublich dicke Männer mit Schweißperlen auf der Stirn begutachten unser Hab und Gut, zählen, überschlagen, schätzen. Zwei Lastwagen sagen sie, 140 Kartons sagt der eine, der andere sagt 60. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Was, Altbau ohne Fahrstuhl? In meinem Kopf schwirren Halteverbotszone und Packseide.
Hatte ich doch so gehofft, dass ich die Zeit für groß angelegtes Ausmisten, Wegwerfen und Neuordnen finden werde, so werden wir vermutlich den ganzen Sperrmüll mit umziehen. Wieder eine vertane Chance à la "Simplify your Life". Unglaublich, was sich mit zwei Zwergen so alles ansammelt. Dabei tut Trennen manchmal so gut.
Nach sieben Monaten Kampf, Magenschmerzen und Ungewissheit, unzähligen Telefonaten und Jammerbriefen ans Jugendamt wurde das Wunder vier Wochen vor Umzug doch noch wahr. Ein Kindergartenplatz für den Großen. Sogar der Wunschkindergarten, mit Hausschlappen einmal um die Ecke. Hier mein Kind, muss wieder nach Hause, die Waschmaschine läuft. Sogar einen Krippenplatz haben sie uns versprochen. Dann muss die Kleine nicht mehr weinen, morgens, wenn sie den Großen im Kindergarten abgeben muss. Ich habe immer an Sie gedacht, sagt die freundliche Frau am Telefon, Sie haben doch so oft angerufen. Man muss doch nur penetrant genug sein. Sogar eine selbstgebastelte Einladung hat er schon bekommen, der Große. Und sagt ganz optimistisch (sich selbst überzeugend) Mama, ich WOLLTE auch in die Entengruppe.
Die Kleine übt für ihre ersten eigenen Schritte, freut sich wie Harry, wenn sie zwei Sekunden freihändig stehen kann, klatscht sich selbst Beifall. Man muss sich auch mal selber loben.
Und so lobe ich mich, dass ich über Wasser bleibe. Den Horizont noch im Blick habe. Das Steuerrad noch in der Hand. Suburbia, wir kommen.