8. März 2016

Tutorial Tuesday: Kleines Kragenlatein Teil 7, der Matrosenkragen


Und zack! ist schon wieder eine Woche um! Ich freue mich sehr, dass euch mein Tutorial für den Bubikragen in der letzten Woche so gut gefallen hat! Wer hat schon was genäht? Wie versprochen, zeige ich euch am heutigen Tutorial Tuesday, wie man einen Matrosenkragen konstruiert. Da die Vorgehensweise beim Bubikragen sehr ähnlich ist, rate ich euch, auch dieses Tutorial zusätzlich mal anzusehen. Vielleicht wird so die eine oder andere offene Frage beantwortet. Obwohl ich mich natürlich immer sehr bemühe, dass eben keine Fragen offen bleiben lach!

Mit einem Matrosenkragen könnt ihr im Prinzip jedes Schnittmuster mit Rundhals- oder V-Ausschnitt ergänzen. Für mein Beispiel habe ich als Grundlage die Basic-Tunika von Lillesol & Pelle verwendet, hier in Größe 92. Ich habe sie auf Shirtlänge gekürzt und ohne Ärmel genäht. Dafür mit einem zuckersüßen Matrosenkragen. Shirt und Kragen sind aus elastischen Stoffen genäht. So bleibt der Ausschnitt trotzdem dehnbar. Durch den leichten V-Ausschnitt sollte der Ein- und Ausstieg aber ohnehin kein Problem darstellen – auch für große Baby- und Kleinkinderköpfe.

Für dehnbare Stoffe empfehle ich immer eine Overlocknähmaschine. Alle Overlocknähte in dieser Anleitung könnt ihr aber auch mit einem Overlockstich eurer Haushaltsnähmaschine nähen.

Und das geht so:

1. Für ein solches Shirt mit weißem Matrosenkragen braucht ihr gemusterten und weißen Jersey, Transparentpapier oder Folie, Bleistift oder Permanentmarker, Stoffschere oder Rollschneider, Papierschere und Mut auch mal einen Schnitt selbst zu konstruieren. Außerdem ein dünnes aufbügelbares Vlies, so bleibt der Kragen schön glatt und hat einen ganz leichten Stand.


2. Legt die Schnitteile von Vorder- und Rückenteil an der Schulterkante aneinander. Zeichnet nun mit Transparentpapier die Linie des Halsausschnittes nach und dann die Form des Matrosenkragens. Auf dem Rückenteil liegt der Latz, über der Schulter ein Steg, der gern auch etwas breiter als die Schulternaht sein kann – ganz nach eurem Geschmack – und vorne läuft der Kragen spitz zu. Die vordere Linie des Halsausschnittes sollte die Form einen V-Ausschnittes haben. Die blattförmigen Enden dürfen die Bruchlinie des Vorderteils  überlappen, müssen aber nicht. Markiert euch an der Halsausschnittslinie die Schulternaht. Achtet darauf, dass die untere Linie des Latzes auf dem Rückenteil im 90-Grad-Winkel an die Bruchlinie stößt. Sonst habt ihr nach dem Zuschnitt eine Ecke im Latz.

Der Matrosenkragen kann gern bis zu 5mm vor der Spitze des V-Ausschnittes enden. So tut ihr euch beim Zusammennähen etwas leichter.


3. Im nächsten Schnitt passt ihr an eurem Schnittmuster für das Vorderteil den Ausschnitt an. Die Halsausschnittlinie muss mit dem Matrosenkragen bündig sein. Den rot schraffierten Teil könnt ihr also bei eurem Schnittmuster wegschneiden.

Mit einem weiteren Stück Transparentpapier oder Folie zeichnet ihr euch einen Beleg. Das ist in diesem Fall die gestrichelte Linie. Der Beleg wird nach dem Vernähen zurückgeschnitten, die Breite ist daher nicht so wichtig. Für eine leichte Verarbeitung sollte der Beleg aber min. 4 cm breit sein.


4. Nun kommt der Zuschnitt: schneidet euch aus dem bunten Stoff das Vorder- und Rückenteil im Bruch zu, ggf. Ärmel. Bei dem Vorderteil den V-Ausschnitt nicht vergessen! Außerdem schneidet ihr den vorderen und hinteren Beleg jeweils einmal im Bruch zu. Alle Teile werden mit 7mm Nahtzugabe ausgeschnitten.

Aus dem weißen Stoff schneidet ihr euch zweimal den Kragen im Bruch mit 7mm Nahtzugabe zu. Außerdem schneidet ihr den Kragen auch noch aus dem dünnen Bügelvlies im Bruch zu, diesmal ohne Nahtzugabe.

5. Legt nun das Vlies mit der Klebeseite nach unten auf die linke Seite eines der Kragenteile und bügelt es einige Sekunden fest, so dass alle Kanten und Ecken gut auf dem Stoff haften. Ich bügle Vlies übrigens immer mit Backpapier zwischen Stoff und Bügeleisen, das verschont das Bügeleisen vor Kleberesten.

Nun legt ihr beide Kragenteile rechts auf rechts aufeinander und steppt sie an der äußeren Kante mit Geradstich ab. Wie beim Bubikragen empfehle ich auch hier keine Overlocknaht, da die beim Wenden zu dick wird und sich durch die Kragenkante drückt. Das sieht nicht so hübsch aus. Außerdem lassen sich die Ecken nicht schön ausformen. Achtet einfach darauf, dass ihr nicht am Stoff zieht und lasst den Stoff ganz locker unter dem Füßchen durchgleiten. Dann wellt sich eure Naht nicht.

Die Halsausschnittkante bleibt als Wendeöffnung offen!


6. Wenn ihr einmal herum genäht habt, schneidet ihr die Kante an der Naht auf 2-3mm zurück und wendet den Kragen.


7. Bügelt alle Kanten und Ecken schön aus und steppt die Naht nochmal knappkantig ab.

8. Jetzt Näht ihr Vorder- und Rückenteil eures Shirts zusammen und näht die Ärmel ein oder versäubert die Armausschnitte. Schnießt die Schulternähte des vorderen und hinteren Belegs. Legt nun den Matrosenkragen links auf rechts auf den Ausschnitt, den Beleg rechts auf rechts obenauf und steckt oder klammert alles fest.


9. Schließt nun die Halsausschnittsnaht, indem ihr zwei Zentimeter vor der Spitze des V-Ausschnittes beginnt und auch wieder aufhört.


10. Dieses Stück schließt ihr nun mit einer Geradstichnaht eurer Nähmaschine. Schneidet die Kante im V-Ausschnitt nochmal knapp ab, so dass sich die Spitze nach dem Wenden gut ausformen lässt.


11. Nun steckt ihr den Beleg in den Ausschnitt und bügelt die Nähte schön glatt. steckt den Beleg ringsherum mit Stecknadeln fest und näht einmal mit einem Abstand von 2-3 cm um den Ausschnitt herum. Ich habe die Naht mit einer 3-fädigen Covernaht genäht.




12. Den überstehenden Rand des Belegs schneidet ihr knappkantig zurück.


13. Nun wendet ihr euer Shirt, Kleid oder was auch immer ihr da gezaubert habt, und bügelt den Kragen, den Halsausschnit und den Beleg nochmal schön glatt.

Schneidet euch ein Rechteck aus dem weißen Jersey, ca. 8 x 7cm groß. Faltet es von unten nach oben in der Mitte und schließt die obere Kante. Wendet den so entstandenen Schlauch, plaziert die Naht in der Mitte und bügelt sie schön glatt.


14. Faltet jetzt den Schlauch der Länge nach zur Hälfte, so dass die Naht außen ist. Schließt das ganze zu einem Ring, ca. 3 cm vom Bruch entfernt, und schneidet die offenen Enden ab. Ich mache sowas Pi mal Daumen und das solltet ihr auch. Je nach dem, welchen Stoff ihr für den Kragen verwendet habt, wie groß eure Enden sind und wie dick das Vlies ist, das ihr eingenäht habt, muss der Ring schmaler oder weiter sein. Probiert's einfach aus.


15. Jetzt wendet ihr den Ring, so dass alle Nähte innen sind und schiebt ihn über die beiden Enden des Matrosenkragens. Natürlich auch hier wieder mit der Naht nach hinten. Am besten ihr sichert diesen „Verschluss“ mit ein paar Stichen per Hand auf der Rückseite des nun entstandenen Knotens. Auch wenn der Ring beim Tragen straff sitzt, geht er so in der Waschmaschine nicht verloren.



Tadaa, fertig ist euer Matrosenkragen! Sieht das nicht hübsch aus?



Im letzten Jahr habe ich schon nach genau der gleichen Methode einen Matrosenkragen – ebenfalls an eine Basic-Tunkia von Lillesol & Pelle – genäht. Und wollte euch seit dem eine Anleitung dafür schreiben. Aber gut Ding will manchmal eben Weile haben.

Die süßen Häschenstoffe Bunny Belle auf Jersey und Popeline, sowie das Gänseblümchen-Design Daisy Dora werden übrigens am Donnerstag von Hilco an die Händler ausgeliefert. Ebenso das Design Kick it! für kleine Fußball-Fans. Auf die Sweats müsst ihr leider noch ein paar Tage länger warten, aber die werden dann bestimmt auch ganz bald ausgeliefert.

Noch mehr Fotos von diesem Kleidchen mit Matrosenkragen findet ihr hier!


Viel Spaß beim Nächnähen!

Alle weiteren Teile des Kleinen Kragenlateins findet ihr übrigens hier:

Teil 1: Halsbündchen annähen
Teil 2: Halsbündchen mit Versäuberungsstreifen
Teil 3: schmaler Bündchenstreifen ohne Coverlock-Maschine
Teil 4: Knopfleiste
Teil 5: schmaler Bündchenstreifen gecovert
Teil 6: Bubikragen

Kommentare:

  1. Liebe Susanne, das ist der süßeste Kragen, den ich je gesehen habe! morgen wird nachgenäht. Heute ist grad ein Bubikragen nach deiner Anleitung entstanden und auch deine Anleitung zur Einfassung Bündchen hat mir sehr weiter geholfen. Ich freue mich schon auf hoffentlich viele weitere Tutorials! Vielen Dank für die Mühe! :-) Schöne Grüße Magda

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    1. Oh toll, das freut mich sehr das zu hören! Dankeschön :)!

      Liebe Grüße,
      Susanne

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  2. Ha wie cool. Na, ich denke, dass ich auf jeden Fall MIR selbst so ein Oberteil mit Matrosenkragen zaubern werde! Danke!!!

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  3. Das ist wirklich ganz zauberhaft geworden und macht große Lust auf Nachnähen!

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  4. Wunderschön, und erst der Stoff dazu.

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  5. Sieht richtig schön aus !

    Und die Erklärung ist klasse !

    Liebe grüße Anna

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  6. ENDLICH! DANKE!!! Nirgendwo ist ein Schnittmuster für ein Matrosenshirt zu finden. Die Suche hat nun ein Ende (und ich muss mich 'nur noch' aufraffen ;-)).

    Die übrigen Lateinstunden habe ich auch schon... zumindest gespeichert :-D und Deine Beiträge mag ich sehr gerne!

    Viele Grüße aus der Nachbar-Hansestadt im Süden

    Ulrike

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  7. Oh wie schön! Und es sieht mal wieder so einfach aus!
    Ich werde es mal für den Sohnemann probieren!
    Aber vielleicht lieber in dunkelblau, dann fallen die vielen Essensreste nicht so auf ;-)
    Hoffentlich klappt es!
    Christina

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  8. Oh wie schön, der Kragen ist total süß. Den muss ich unbedingt ausprobieren, schließlich muss das Sommernähen jetzt langsam mal starten. Vielen lieben Dank, ich liebe dein kleines Kragenlatein.

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  9. Liebe Susanne,
    wieder einmal eine ganz tolle Idee und noch besser...eine perfekte Umsetzung. Ich finde es toll, dass du auf Genauigkeit und trotzdem verständliches Darstellen, achtest.
    Gerne möchte ich dich und andere Leser einladen, meinen Blog zu besuchen, und euch meine Ideen vorstellen.
    Lg, Rina

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  10. Du hast dir mit diesem wunderbaren Tutorial einen ganzen riesigen Haufen liebenswürdiger Kommentare verdient ... Und nicht erst 10! Von mir ein D I C K E S , dickes Lob für eine tolle Idee, eine wunderbare Dokumentation und die Gosszügigkeit des Teilens. DAAAAAAAAAANKE! Lieben Gruß,
    Anja

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  11. Liebe Susanne,
    danke für diese Anregung! Ich habe sie umgesetzt für meine zweitjüngste Enkelin. Ich habe aus dem Hasenjersey sehr viel genäht und das Schönste daraus ist ein Strampler für meine jüngste Enkelin, die in der Osternacht auf die Welt kam. Wenn du magst, schau mal bei mir im Blog vorbei.
    LG
    Astrid

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  12. Hallöchen
    Und wieder ein super Tutorial von dir für uns. Vielen DANK dafür.
    Ich denke, jetzt trau ich mich mal langsam an Matrosen- und auch Bubikragen.
    Dein Kragenlatein hat mir schon so manchen Frust erspart. Sei geherzt dafür
    Xoxo

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Hallo ihr Lieben, schön, dass ihr auf meinem Blog zu Gast seid!
Ich freue mich wirklich über jeden eurer Kommentare!

Alles Liebe,
Susanne