2. März 2016

Tutorial Tuesday: Kleines Kragenlatein Teil 6, der Bubikragen


Da mein letztes Posting aus der Reihe „Kleines Kragenlatein“ nun schon bald zwei Jahre zurückliegt, wird es allerhöchste Zeit für eine neue Folge. Dabei habe ich noch so viele Ideen parat zum Thema Kragen, die ich euch noch vorstellen mag!

Heute zeige ich euch, wie ihr euch bei einem Rundhalsausschnitt einen Bubikragen selbst dazu konstruiert. Ihr könnt also jeden beliebigen Schnitt mit Rundhalsausschnitt um einen Bubikragen ergänzen. So ein Bubikragen hatte ja lange Zeit ein ziemlich spießiges Image, aber die Zeiten sind längst vorbei. Von lässig-cool bis romantisch-sexy ist alles drin. Einem langweiligen Shirt kann man mit einem Bubikragen einen völlig neuen Look verpassen. Aber gerade für Kleinkinder ist ein Bubikragen einfach nur zuckersüß. Ich habe euch mal ein Pinterest-Board zusammen gestellt. Dort könnt ihr euch Bubikragen-mäßig inspirieren lassen!

Für mein Beispiel habe ich als Grundlage die Basic-Tunika von Lillesol & Pelle verwendet, hier in Größe 92. Ich habe sie auf Shirtlänge gekürzt und ohne Ärmel genäht. Dafür mit einem Hingucker-Bubikragen. Shirt und Kragen sind aus elastischen Stoffen genäht. So bleibt der Ausschnitt trotzdem dehnbar. Zur Sicherheit – denn Baby- und Kleinkinderköpfe können ziemlich groß sein – habe ich hinten noch einen Schlitz mit Knopf genäht. So geht das Shirt schön leicht über den Kopf. Wenn ihr an ein Shirt für euch einen Bubikragen näht, braucht ihr das – je nach Ausschnittweite – nicht. Den Schlitz oder abgerundeten Ausschnitt kann man natürlich auch vorne anbringen.

Und das geht so:

1. Für ein solches Shirt mit weißem Bubikragen braucht ihr gemusterten und weißen Jersey, Transparentpapier oder Folie, Bleistift oder Permanentmarker, Stoffschere oder Rollschneider, Papierschere und Mut auch mal einen Schnitt selbst zu konstruieren. Außerdem ein dünnes aufbügelbares Vlies, so bleibt der Kragen schön glatt und hat einen ganz leichten Stand.


2. Legt die Schnitteile von Vorder- und Rückenteil an der Schulterkante aneinander. Zeichnet nun mit Transparentpapier die Linie des Halsausschnittes nach und dann die Form des Bubikragens. Dabei sind eurer Gestaltungsfreiheit keine Grenzen gesetzt. Der Kragen kann von rund über spitz bis hin zur Blumenform jede Form besitzen. Hier habe ich einen ganz klassischen runden Bubikragen gezeichnet. Schön finde ich, wenn er nicht breiter als die Schulter ist, so dass man das Bündchen am Armausschnitt noch sieht. Markiert euch an der Halsausschnittslinie die Schulternaht.

An der Bruchlinie des Rückenteils sollte der Kragen einige Millimeter vorher enden, denn ihr braucht beim Zuschneiden noch ein bisschen Platz, wenn ihr eine zusätzliche Öffnung (Schlitz/Ausschnitt) vorseht, an dem man das Shirt mit einem Knopf oder einem Haken verschließen kann.


3. Im zweiten Schritt zeichnet ihr euch Belege, in die der Kragen später eingefasst wird. Denkt daran, dass ihr evtl. einen Schlitz/Ausschnitt hinten mit einplant. Der muss natürlich auch beim Beleg berücksichtigt werden. Der Beleg besteht aus einem Vorder- und Rückenteil, das jeweils im Bruch zugeschnitten wird.

Nun habt ihr insgesamt drei Schnitteile für den Kragen und Beleg und die Schnittteile für euer Shirt.



4. Nun schneidet ihr gegengleich jeweils zwei Teile des Kragens aus weißem Jersey plus 5-7mm Nahtzugabe zu. Also zwei Teile mit der rechten Schnittseite nach oben und zwei mit der rechten Schnittseite nach unten. Zusätzlich schneidet ihr gegengleich jeweils ein Kragenteil aus dem aufbügelbaren Vlies zu – ohne Nahtzugabe.



5. Bügelt nun das Vlies jeweils auf die linke Seite von zwei gegengleichen Schnittteilen aus dem weißen Jersey.


6. Nun legt ihr immer zwei Kragenteile rechts auf rechts (eines davon mit aufgebügeltem Vlies) und schließt die äußere Naht mit Geradstich ganz knapp an oder auf der Vlieskante. Ich rate euch, die Kante nicht mit der Overlock zu schließen, denn beim Wenden wird die Naht zu dick und sie drückt sich durch. Das sieht nicht sehr hübsch aus. Beim Nähen von Jersey mit der normalen Nähmaschine müsst ihr nur darauf achten, dass ihr auf keinen Fall am Stoff zieht, denn sonst wellen sich die Nähte. Also schön smooth unter das Füßchen gleiten lassen...

Wenn ihr die äußere Naht geschlossen habt, schneidet ihr die Nahtzugabe bis auf ca. 2 mm zurück.


7. Wendet nun die Kragenteile und bügelt die Kanten schön aus. (Auf dem Foto liegt ein Kragenteil falschherum. Das sieht man an der Schultermarkierung. Ist mir leider erst beim Bilder bearbeiten aufgefallen... nur so für's Protokoll)


8. Falls nicht schon geschehen, schneidet nun die Schnittteile für euer Shirt zu und den vorderen und hinteren Beleg jeweils im Bruch. Denkt an die kleine Ein- und Ausstiegshilfe hinten. Man könnte hier natürlich auch einen gerade Schlitz nähen (dafür müsste aber das Rückenteil geteilt werden) oder das Rückenteil teilen und mit einer Knopfleiste oder einem Reißverschluss versehen.


9. Schließt die Schulternähte und versäubert die Armausschnitte oder näht die Ärmel ein. Hier sind die Armausschnitte nach dem Kleinen Kragenlatein Teil 5 versäubert.

Schließt nun auch jeweils die Schulternähte der Belege, in dem ihr sie rechts auf rechts aufeinander legt.


10. Nun dreht ihr das Shirt auf rechts und legt den Bubikragen mit der rechten Seite nach oben passgenau an die vordere Halsausschnittkante, bei der ihr vorher die Mitte markiert habt. Achtet hierbei auch auf die Markierungen, die genau mit den Schulternähten zusammen treffen sollten. Näht die beiden Kragenteile vorne mit einer Naht, die nur wenige Zentimeter lang ist, knappkantig an die Halsausschnittkante. So kann euch beim Nähen des Ausschnitts nichts mehr verrutschen.


11. Nun legt ihr die Belege rechts auf rechts auf den Kragen und fixiert alle Teile. Da ein feiner weißer Jersey möglicherweise sehr empfindlich auf Nadelstiche reagiert, habe ich hier diese praktischen Wonder Clips*verwendet, die keine Spuren hinterlassen und optimal ohne Verrutschen mehrere Lagen halten können. Kann man, muss man aber nicht.


Wichtig ist, dass der Kragen ca. 5mm vor der Öffnung hinten endet, denn um die Öffnung hinten schließen zu können, braucht ihr noch ein paar Millimeter Nahtzugabe!


12. Schließt nun die Ausschnittkante mit der Overlock-Maschine oder mit einem elastischen Overlockstich der normalen Nähmaschine.


13. Für den Verschluss hinten müsst ihr nun noch eine kleine Schlaufe für den Knopf anbringen, die später mit in die Naht eigefasst wird. Macht die Enden lieber ein bisschen länger, so dass diese nicht ausfransen und durch die Naht schlüpfen können. Alternativ könnt ihr später ein kleines Häkchen auf der einen und eine Öse auf der anderen Seite annähen.

Klappt dafür den Beleg herunter und näht die Schlaufe mit den Enden zur Öffnung zeigend ganz knapp oben an die Ausschnittkante. Wichtig ist, dass ihr die Schlaufe auf die Seite des Belegs näht, da man sonst später möglicherweise die Naht blitzen sieht, falls ihr nicht so ganz genau näht. Und das passiert ja manchmal, auch mir!


14. Nun klappt ihr die Belege wieder rechts auf rechts und schließt die Öffnung knappkantig mit einem Geradstich. Achtet darauf, dass ihr den Kagen oben am Ausschnitt nicht mit einfasst.


15. Als nächstes dreht ihr den Beleg auf rechts und steckt ihn in den Ausschnitt. Bügelt die Belege schön weg von der  Ausschnittkante und steckt sie fest. Nun steppt ihr die Belege mit einem Coverstich außenherum 1 bis 2 cm von der Ausschnittkante entfernt fest. Beginnt dafür am besten an einer Schulter, denn dann ist der Übergang unter dem Kragen versteckt. Wenn ihr fertig seid, könnt ihr die Belege knappkantig zurückschneiden.


16. Nun seid ihr schon fast fertig! Schließt die Seitennähte des Shirts und näht den Saum um. Bringt auf der Rückseite einen kleinen Knopf an oder falls ihr euch für ein Häkchen entschieden habt, dieses.


Fertig ist euer Shirt mit Bubikragen!


Weil ich das ebenso süß finde, habe ich euch bereits ein Tutorial für einen Matrosenkragen vorbereitet, das kommt dann voraussichtlich nächste Woche. Es funktioniert ganz ähnlich und sieht einfach nur Zucker aus!


Die Bunny Belle und Daisy Dora Stoffe kommen hoffentlich ganz bald. Hilco hat sie noch vor Ostern versprochen und Ostern ist ja schon bald...

Viel Spaß beim Nächnähen!

Alle weiteren Teile des Kleinen Kragenlateins findet ihr übrigens hier:

Teil 1: Halsbündchen annähen
Teil 2: Halsbündchen mit Versäuberungsstreifen
Teil 3: schmaler Bündchenstreifen ohne Coverlock-Maschine
Teil 4: Knopfleiste
Teil 5: schmaler Bündchenstreifen gecovert
Teil 7: der Matrosenkragen

*) Amazon-Partnerlink

Kommentare:

  1. Liebe Susanne!
    Deine Artikel des kleinen Kragenlateins habe ich immer wieder als Hilfestellung gern gelesen! Und ich freue mich sehr über neuen Input! Toller Artikel, das werde ich ganz bald testen. Auf den Matrosenkragen freue ich mich schon!
    Beste Grüße,
    Melanie

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  2. Oh das sieht sooo zucker aus...aber mal sehen ob ich mir das zutraue... wenn ja werd ich dich auf jeden Fall auf insta verlinken.... echt süß LG nadelkinderreich

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  3. Ein ganz tolles Tutorial! Vielen lieben Dank dafür!!! Ich werde es bestimmt ganz bald ausprobieren.

    Liebe Grüße
    Milla

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  4. Danke für die Anleitung - schaut toll aus!
    Auch Deine anderen Tutorials sind eine tolle Hilfestellung für mich.
    Mit liebem Gruß
    Regina

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  5. Glaube es oder nicht: ich kaufte gestern Fabric und möchte ein Kleidchen nähen mit so ein selbstfabricierdes Bubikrage ("Peterpankrage" in Flemish) aber: "wie soll ich es machen?" wahre meine grosse Frage! Du bist mein Deus Ex Machina! Tanke dafür! :-)

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  6. MEnsch schön.......verrätst du mir welches Schnittmusterpapier du nimmst, bzw. woher du es beziehst?

    lg

    Karin

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  7. Danke für das tolle Tutorial, der Kragen sieht wirklich zauberhaft aus. Vielleicht traue ich mich nun auch mal ran :)

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  8. 1000 Dank. Klasse Anleitung. Toll, dokumentiert. Vielen lieben Dank. Mandy

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  9. Oh ein Matrosenkragen! Hammer, darauf freue ich mich schon riesig. :-D

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  10. Das i-Tüpfelchen in diesem Post ist für mich der HL-Bügel!

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  11. Oh, perfekt! Das bringst du für mich gerade zu rechten Zeit - ich hab einen ganzen Stapel neuer Jerseys die darauf warten, den Nachwuchs einkleiden zu dürfen. Danke!

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  12. Das sieht ja bezaubernd aus! Welche Stärke an Vlies nehme ich da am besten? Danke und Viele Grüße

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Hallo ihr Lieben, schön, dass ihr auf meinem Blog zu Gast seid!
Ich freue mich wirklich über jeden eurer Kommentare!

Alles Liebe,
Susanne