12. September 2010

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Der Tag begann früh. Zu früh. Fräulein Schlau kam um kurz vor sechs geschlichen – weinend, weil einer ihr Krickelkrackel-Bild zerrissen hat. Ein wahrer Albtraum. Als sie sich dann ungefähr nach einer halben Stunde neben mir wieder in den Schlaf gewühlt hatte, kamen drei Jungs aus dem Gästezimmer polternd die Treppe runter, knallten die Kinderzimmertür zu und leerten geräuschvoll die Autokiste auf den Holzdielen aus. Fräulein Schlau und den neben mir schnorchelnden Gatten konnte das nicht erschüttern, aber mich. Dass sich das Zeltlager im Gästezimmer so früh schon auflösen würde, hatte ich befürchtet aber trotzdem auf Ausschlafen gehofft. Also zumindest bis 7.30 Uhr, denn spätestens da sollte mein Wecker für den Flohmarkt klingeln.

Das Gute nach diesem unsanften Start war, dass ich schon vor acht die menschenleere Straßen in Richtung „Dorf“ passierte, um mich mit jeder Menge früher Vögel um die paar Würmer zu kloppen, die da im Nieselregen feilgeboten wurden. Natürlich nur sprichwörtlich.

Bei diesem Puppenhaus mit dem grandiosen Badezimmer wurde ich beinahe schwach. Ich habe vorsichtshalber nicht mal nach dem Preis gefragt. Die rosa Plüschwaage ist doch der Brüller, oder?

Meine Finger haben sich ebenfalls schlagartig beim Anblick von diesem Toyb.oy um mein Portemonnaie gekrallt, dachte ich doch sofort an den schnieken Glücksfeerich von Frau Fijn. So einen hätte ich auch gern. Aber ich konnte mich beherrschen.

Stattdessen wanderte eine Kiste voller antiker Papp-Anziehfiguren, neuwertige Bilderbücher, zwei Wilde-Kerle-DVDs (die ich zu Hause gleich mal im Schrank verschwinden ließ), ein Sc.out-Turnbeutel und ein Kinderautositz in meinen Besitz. Der wiederum war so schwer und sperrig, dass ich meinen Flohmarktbesuch nach Erwerb des selbigen beendete. Das fehlende Frühstück, meine seit Tagen schleichenden Hals- und Kopfschmerzen, die mittlerweile schiebenden Massen an Leuten und das ohnehin schon ausgereizte Budget haben mich wieder nach Hause getrieben.

Eigentlich hatten wir ein gemeinsames Frühstück in Eppendorf auf dem Plan, aber als ich nach Hause kam, erwartete mich eine laute Meute und ein unausgeschlafener Mann und irgendwie hatten alle schon gefrühstückt. Schade eigentlich. Meine Laune sank proportional zu meiner zunehmenden Müdigkeit.

Einen der drei Jungs schickten wir nach Hause, den anderen, den wir so schnell nicht nach Hause schicken konnten, packten wir kurzerhand samt unserer Kinder, unserem Hund und jeder Menge Regenbekleidung (man weiß ja nie) ins Auto und machten uns auf den Weg an die Elbe. Wenn schon nicht frühstücken, dann wenigstens die klitzekleinen Sonnenpausen des heutigen Tages nutzen. Wir im Norden sind derzeit nicht sehr reichlich mit schönem Wetter verwöhnt.

Der Weg hat sich gelohnt. Wir haben einen wunderschönen Mittag und Nachmittag im Jenischpark verbracht – einer der schönsten und urspünglichsten Parks in Hamburg. Er erstreckt sich über ganze 42 Hektar im Westen Hamburg – von der Elbe nur durch die Elbchaussee getrennt. Vom Jenischhaus, einem früheren Senatorenwohnsitz, aus kann man über die Elbe blicken. Durch den hügeligen Park fließt ein kleiner Bach und man findet uralte Baumriesen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass man sich mitten in dieser wilden Natur trotzdem mitten in einer Metropole befindet und mich erinnert der Park immer sehr an Hampsteadt Heath in London mit dem alterwürdigen Kenwoodhaus.

Wir haben einen ausgedehnten Spaziergang durch den ganzen Park gemacht, Stöcke gesammelt, über morsche Brücken gestiegen, die ersten Kastanien gefunden und Baumriesen beklettert.

Zwischendurch haben wir uns in „Ralph's Kiosk“ gestärkt – meiner Meinung nach ein echter Geheimtipp. Hier trifft sich ein buntes Völkchen der Elb(vor)orte, plaudert bei Bio-Frikadelle und hausgemachtem Kuchen über Gott und die Welt, die Kinder klettern derweil auf die umliegenden Bäume, während sich die Hunde ein Päuschen unter den Kaffeetischen gönnen. Und man ist sich einig, dass hier der Kaffee viel besser schmeckt und man deutlich freundlicher bedient wird, als im nahegelegenen Jenisch-Haus. Zwar nicht in Museums-Atmosphäre und auch nicht an Tischen mit weißen Tischdecken aber herzlich und entspannter alle mal.

Nach stundenlanger Outdoor-Aktivität wie Fußballspielen mit Elbblick, sind die Zwerge auf dem Weg nach Eppendorf augeblicklich im Auto eingeratzt. Die Freude des Tages spiegelt sich in den zufriedenen Gesichtern, aber vorallem auf den Hosen wieder. Hach und ich dachte schon, ich hätte nächste Woche nichts zu waschen!

Nach E-Dorf mussten wir, weil dort der Liebste nächste Woche mit seinem Büro hinzieht und er vorher noch mal eine kleine Bestandsaufnahme machen wollte. Ich bin hin und weg. Zwar fand ich es sehr schade, dass ich nun keinen triftigen Grund mehr haben werde, in die Schanze zum Bummeln zu fahren. Aber das neue Büro ist sehr schön gelegen und Eppendorf ist uns ja ein gewohntes Revier.

Wer jetzt nicht schläft, ist natürlich Fräulein Schlau – ein 20-Minuten-Schläfchen im Auto ist fatal und verschiebt den Beginn der Nachtruhe um mindestens... naja, für den Tatort ist es jetzt sowieso schon zu spät. Der Regen trommelt auch schon wieder an die Scheiben, was für ein Glück hatten wir also an diesem Sonntag!

Die Idee von „12 of 12“ stammt von Chad Darnell und falls Sie noch mehr Tagesreports vom 12. September sehen wollen – Frau Kännchen hat freundlicher Weise wieder Mr. Linky engagiert. Danke!

Kommentare:

  1. Ooch, den Tatort kann man doch wunderbar abends ne ganze Woche in der Mediathek anschauen...

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  2. Das Bad ist ja echt zum kreischen! Und den netten Herrn ohne Bekleidung finde ich auch genauso beim Tochterkind in der Puppenkiste (O-Ton: ist ja garkein richtiger Mann *hihi*)!
    Solche Hosen kenne ich auch im 3er-Pack, wenn wir draußen waren!
    Schönen Abend noch und vor allem eine ruhige Nacht!
    Liebe Grüße von Petra ;o)

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  3. Irgendwie kenn ich das Bad..meins war..grün?! Aber so´ne tolle Waage hat ich nicht..
    -Hut ab, dass du da nicht schwach geworden bist..-

    Schade, dass der Sommer vorbei ist, wasche auch lieber Knie anstatt Hosen ;-)

    Wünsch dir eine entspannte Nachtruhe,
    Groetjes

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  4. Herzlichen Glückwunsch erstmal, nach so einem Tag noch so einen langen post zu schreiben. Ich habe ihn ganz genussvoll gelesen zumal ich Hamburg auch richtig schön finde ( ua. die Schanze mit Omas Apotheke usw.) In dem PArk waren wir leider noch nicht, aber vielleicht beim nächsten Besuch. Den Übernachtungsbesuch hatte wir übrigens auch, unsere Nacht war um 6.15 zu Ende. Was solls! Trotzdem liebe Grüße, Rike

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  5. Der Park inklusive Buletten bei Ralph sind ein super Tipp für den nächsten Hamburgbesuch. Meine Hamburger sind nämlich nicht so versierte Fremdenbespaßer. Selbst das Riesenrad auf dem Dom musste ich mir erzwingen, das erschien der Dame nicht erstrebenswert! Tststs...

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  6. Oh, wie schön, der Jenischpark! In der Nähe haben wir früher gewohnt ... als unsere Älteste geboren wurde ... viele Spaziergänge und Grillabende haben wird dort verbracht. Danke Susanne, dass Du mich an diese schöne Zeit gerade erinnert hast :)
    Liebe Grüße, Martina

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  7. Der Tipp mit den Buletten kommt in meine HH - Sammlung, danke! Und das Badezimmer ist ja wohl der Knüller. Meine Kinder sind ja groß, das ist schade, ich hätte es wohl genommen (obwohl das Klo ja kein Freihänger ist ;-) ! LG Rana

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  8. Unser Bad sieht orginal so aus, wie dieses Miniaturbad!
    Und: So ein Fräulein Schlau haben wir hier auch, die um 4.45Uhr in allen Räumen das Licht anknipst und die Nacht für beendet erklärt, die dann innerhalb 10 Minuten im Kindersitz des Autos eingeschlafen ist und dafür bis 21Uhr durchs Haus *geistert* - nicht lustig!
    Christel

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  9. Nice 12 of 12 photos, thanks for sharing. See you next month...

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  10. Oh wie toll, der Jenischpark. Auf den beiden Stühlen saßen wir auch schon. Die beste Aussicht Hamburgs. Danke für das Stück Erinnerung!

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Susanne