29. Dezember 2008

Nach dem Sturm ist vor dem Sturm

Der Freudentaumel der letzten Tage lässt langsam nach. Unsere kleine, sehr intime Familienfeier, romantisch und unkonventionell zugleich, die besondere Nacht im Hotel, die Weihnachtstage. Schöne Stunden mit der großen und der kleinen Familie, Pyjamahose gar nicht ausgezogen, Spaziergänge bis in die Dunkelheit.

Und dann ist es wieder da. Kieferhöhlenentzündung,  Kopfschmerzen, Schüttelfrost. Nicht, dass wir über die ganzen letzten Tage wieder alle gesund gewesen wären, nein. Aber wir haben es einfach kurz vergessen. Wie finden wir nur raus aus diesem unglückseligen Herbst-Winter-Dauerabo? Manchmal fühlt es sich an, als müssten wir diesen Herbst und Winter im Dunkel durchwandern und hangeln uns von einem kleinen Licht zum anderen, wie das leuchtende Verkehrsschild am Zebrastreifen. Hier lang.

Als ich heute morgen das Suppenhuhn in den Topf gestopft habe, kam mir der Gedanke einer Opfergabe. Das ist natürlich lächerlich, denn Fleisch gehört zu unserem Speiseplan, wie Brot und Gemüse. Aber dieses Huhn – wenn schon nicht die Tees, Globulis und anderen Heilmethoden, die nicht anschlagen – soll das Wunder vollbringen. Letzten Endes war es nur ein kleiner Gedanke und eine Hühnersuppe, wie jede andere auch.

Übrigens kommen bei mir eigentlich keine ganzen Tiere bzw. solche, die noch danach aussehen, in die Küche. Fische nur als Filet, Hühner, Schweine und Rinder nur in Teilen, Schalentiere nur ohne Köpfe, Arme und Beine (allenfalls der Schwanz darf eintreten). Einzig bei Muscheln mache ich eine Ausnahme. Die sind einfach zu abstrakt, als dass sie mich anschauen könnten. Um noch lebende Venusmuscheln mache ich auch einen großen Bogen, die sind mir zu geschwätzig. Einmal hat mich die liebste Freundin zum Kochen und Essen eigeladen. Es sollte unter anderem Spaghetti Vongole geben. Da stand ich also am Spülbecken und wusch Salat, neben mir die Schüssel mit den Unglückseligen, die gleich den Tod im kochenden Wasser finden sollten. Und was machen die? Alter Falter, sie klappten ihre Mäuler auf und zu, schmatzten und schnalzten mit ihren Zungen, dass mir ganz anders wurde. Außerdem hat sich die ganze Muschelmeute in sich bewegt. Brrr. Nichts für mich.

Naja und dieses Huhn heute morgen? Grenzwertig, äußerst grenzwertig. Da bat ich schon den Mann auf dem Wochenmarkt, dem Huhn doch bitte den Hals abzuschneiden (den fand ich besonders eklig) und was macht der? Steckt ihn mir ins Huhn rein mit in die Tüte, als wäre der besonders wichtig. Oberbrrrr. Die Reste des Federviehs waren dann eifach nur noch bizarr.

Hühnersuppe. Irgendwie müssen wir dieses Tal durchwandern, egal was noch kommt. Doch so schön ich die Kälte mag, das Eis auf den Pfützen, den Reif auf dem Gras. Ich sehen mich schon jetzt so sehr nach dem Frühling, wie noch selten im Dezember. Endlich wieder Licht. Zum Glück habe ich schon die ersten Anzeichen eines neuen Erwachens im Garten gefunden. Ja, wirklich! die ersten grünen Triebe von Schneeglöckchen und Co. können es ebenso wenig erwarten wie ich. Und die Magnolien sowieso. Sie bereiten ihre prallen Knospen schon im Herbst vor, nur um im Mai wie auf Kommando zu platzen. Aber bis dahin ist noch ein langer Weg.

Und unweigerlich kommt mir da wieder der Antrag auf eine Mutter-Kind-Kur in den Sinn, den ich schon seit zwei Jahren von einer Ecke des Schreibtischs in die nächste schiebe. Da gäbe es bestimmt ein paar spannende neue Krankheiten auszutauschen. Nein, nein. Im Grunde meines Herzens bin ich immer noch ein Optimist.

Kommentare:

  1. Das hilft jetzt zwar nicht, aber wir haben das Abo hier auch und könnten ständig Hühnersuppe gebrauchen. Zum Glück habe ich diesen Blog gefunden mit vielen Sachen, die mich interessieren und die ich schön finde. Danke!

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  2. Als kleiner Trost - ihr/wir seid/sind nicht allein ;-). Ich war gestern dann beim HNO, da mein Schnupfen nun schon fast vier Wochen andauert und am letzten Wochenende die schlaue Idee hatte meine Nebenhöhlen zu besetzen. Mein Mann musste gestern ja wieder arbeiten und um für die Kinder soweit fit zu sein, muss nun Antibiotika herhalten. Geht mir dadruch auch schon besser - zum Glück! Eigentlich bin ich ja der Freund von "ich bekomme das schon so hin mit inhalieren, Tee etc.", doch diesmal waren die Kopfschmerzen nur mit Schmerztabletten auszuhalten, dass ich mich für die schnelle Hilfe entschieden habe, um mir nicht tagelang paracetamol einpfeifen zu müssen.

    Also, eigentlich wollte ich nur sagen: GUTE BESSERUNG und DER FRÜHLING KOMMT BESTIMMT!

    Gruß
    die Sille

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  3. Das positive:
    wir hatten das letztes jahr und haben dabei soviel Abwehrstoffe gespeichert, dass wir dieses Jahr bis heute (toi, toi, toi) gesund sind. Also durchhalten und aufs nächste Jahr freuen! ich weiß, ein schwacher Trost :-(

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Susanne